Die Armen zuerst!

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„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.“

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Unsere Kerala-Bhakar-Schule

Sanji, unser Fahrer, schaltet das Allradgetriebe ein. Wir spüren, wie die Reifen sich in den Sand graben und der Jeep zu schlingern beginnt. Wir ziehen eine Staubwolke durch die Wüste. Die geteerte Straße haben wir längst verlassen. Hier gibt es keinen befestigten Weg mehr. Sanji steuert den Wagen quer über die Sanddünen, im Zickzackkurs um dornige Büsche herum, vorbei an strohgedeckten Lehmhütten. Ziegen laufen über die Piste.

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Früher Wohnhaus, jetzt aber Speicher für Ziegenfutter. Die Gebäude in der Thar-Wüste werden mit den spärlichen Materialien gebaut, die die Natur zur Verfügung stellt.

Wir sind auf dem Weg zur Kerala Bhakar Schule – „unserer Schule“. Endlich. Von Kunming aus flogen wir nach Delhi, weil wir auf dem Landweg nicht von China nach Indien einreisen dürfen. Wir beschlossen, dass in Indien unser Schwerpunkt nicht auf dem Radfahren liegen sollte, sondern auf dem Besuch unserer Schule und der indischen Hilfsorganisation GRAVIS, mit der wir zusammenarbeiten. Deshalb ließen wir unsere Räder in Delhi und fuhren mit dem Zug nach Jodhpur in Rajasthan, ganz im Nordwesten Indiens, fast an der Grenze zu Pakistan. Nun sind wir mit einigen Mitarbeitern von GRAVIS unterwegs zur Kerala Bhakar Schule.

Seit 2014 finanzieren die Schülerinnen und Schüler der Gebhard-Müller-Schule Biberach gemeinsam mit vielen anderen Spenderinnen und Spendern eine Schule für Steinbruchkinder mitten in der Wüste Thar. 65 Kinder von Familien, die im nahegelegenen Steinbruch arbeiten, können nun Lesen und Schreiben lernen, statt wie ihre Eltern Steine zu klopfen. Denn erst eine Schulbildung ermächtigt die nächste Generation, selbstbestimmt ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Schulbildung ist zusammen mit einem unterstützenden Konzept von Hilfe zur Selbsthilfe der einzige Weg in ein würdevolleres Leben und die Aussicht auf einen Ausweg aus der größten Armut. (Mehr über das Indienprojekt erfahrt ihr auf dieser Homepage unter „Projekt“.)

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Was als Idee bei einem Sonntagmorgenkaffee im Februar 2014 begann, ist mittlerweile zu einem erfolgreichen Projekt geworden. Das Herzstück unserer Fahrradreise um die Welt ist die Strecke von unserer Schule in Biberach zu „unserer Schule“ in Indien. Seit August 2016 fahren wir mit dem Fahrrad um die Welt, am 8. Februar 2017 brachen wir von Biberach aus auf, um bis nach Indien mit dem Rad zu fahren. 302 Tage lang waren wir nun unterwegs. Rund 17000 Kilometer haben wir zurückgelegt, durch Wüsten, durch Steppen, durch Schnee. Über die Alpen, den Hohen Atlas, den Kaukasus, das Zagrosgebirge, den Pamir, den Tienshan, den Himalaya. So oft haben wir davon gesprochen: „Wenn wir dann irgendwann einmal an unserer Schule in Indien ankommen werden…“ Wir versuchten es uns unterwegs so oft auszumalen, doch es blieb stets unvorstellbar: Unsere Schule tatsächlich zu sehen, unsere Schüler zu treffen, zu sehen, was unsere Schüler und die Spender erreicht haben. Und doch waren wir uns immer sicher: Dies wird der Höhepunkt unserer Weltreise mit dem Fahrrad sein. Vor den Kindern der Kerala Bhakar Schule zu stehen ist das eigentliche Ziel unserer Reise.

Nun ist es soweit. Jetzt sind wir hier, irgendwo in der Weite der Wüste Thar, rund 100 Kilometer nordwestlich von Jodhpur. Sanji bringt den Jeep am Fuß eines kleinen Hügels zum Stehen. Wir steigen aus, und sofort fällt unser Blick auf den einfachen Backsteinbau oben auf der Anhöhe. Wir sind angekommen. Da ist sie – unsere, Eure Kerala Bhakar Schule! Wir erkennen sie sofort, sie sieht wirklich genauso aus wie auf den Fotos, die wir zuvor erhielten und die in unserem Flyer zu sehen sind. Wir haben den Eindruck, schon einmal hier gewesen zu sein. Beide schweigend und voll von Gefühlen, die schwer in Worte zu fassen sind, laufen wir durch den Sand und über Steine hinauf zur Schule. Wir verlangsamen unsere Schritte, bleiben hinter den anderen zurück, müssen uns immer wieder gegenseitig anschauen: Eigentlich geht das alles zu schnell hier, nach über 300 Tagen Anfahrtsweg. Wir sind aufgeregt.

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Alle Schüler sind in den beiden Klassenzimmern. Der Unterricht ist im Gange, wir hören ein Durcheinander von Kinderstimmen, die auf Hindi etwas rezitieren. Bevor wir hineingehen, halten wir kurz inne: Vor dem Gebäude sind die Sandalen der Kinder ordentlich aufgereiht, eine bunte Reihe staubiger kleiner Schuhe. Wir stellen unsere geschundenen Radschuhe daneben, eigentlich passen sie ganz gut in diese Reihe. Dann betreten wir auf Socken die Schule.

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Die Kinder verstummen und erstarren förmlich, als wir ins Zimmer kommen. Alle sitzen im Schneidersitz auf dem Fußboden, die Schiefertafel oder das Hindibuch im Schoß, und halten mitten im Schreiben inne. Bewegungslos verharren sie und starren uns aus großen Augen und mit offenem Mund fassungslos an.

Zwei Welten treffen aufeinander, als wir da plötzlich riesenhaft direkt vor ihnen stehen. Ich bin mir sicher, viele von ihnen haben selten zuvor Hellhäutige gesehen. In ihren Blicken mischen sich Erschrecken, Neugier, Staunen und Aufregung. Wir haben für jedes Kind ein kleines Geschenk mitgebracht. Süßigkeiten wären zwar naheliegender gewesen, doch wir möchten, dass alle eine kleine Erinnerung mit nach Hause tragen können. So hocken wir uns auf den Boden zu den Kindern, mischen uns unter sie und überreichen jedem einzelnen unsere Dankespostkarte.

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Ich kann mir nicht vorstellen, was in den Köpfen der Kinder vorging, als wir ihnen unsere Geschichte erzählten. Dass wir auch Lehrer sind und dass wir mit dem Fahrrad von Deutschland hierher zu ihnen gefahren sind, um ihnen die Grüße unsere Schüler zu überbringen. Aber in ihren Augen ist zu lesen, wie sie sich dies unfassbare Wunder vorzustellen versuchen: Dass es so weit weg von Indien andere Schüler gibt, die an sie denken und sich für ihre Zukunft einsetzen. Was muss das für diese Kinder bedeuten, diese Hinterletzten in der Welt hier mitten im Nichts.

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Es gelingt uns allmählich, die Schreckstarre der Kinder zu überwinden. Ralph fragt sie nach ihren Lieblingstieren und erntet große Freude, als er Elefant, Kuh und Hase vorspielt, denn er kann ja kein Hindi sprechen. Mitleidig sehen uns die Kinder an, als wir zugeben müssen, dass bei uns in Deutschland keine Mangos, Granatäpfel und Guaven wachsen. Nun haben die Kinder keine Scheu mehr, umringen uns und drängen ihre Köpfe über uns zusammen. Ich hocke auf dem Boden, schaue nach oben und blicke in einen Kreis freudig lachender Mädchengesichter.

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Mittlerweile ist das halbe Dorf herbeigelaufen, um die fremden Besucher zu bestaunen. Die Jugendlichen bringen zwei Trommeln und rufen mir mutig zu: „Dance, Madam, dance!“ Spätestens nun ist das Eis gebrochen. Ralph und ich machen uns gern ein wenig zum Affen, versuchen ein paar Tanzschritte, werden freundlich belächelt und schnell abgelöst von den Mädchen und Jungen der Schule, die uns zeigen, wie das in Indien richtig geht.

Höhepunkt für die Schüler wird unser Eintrag ins Gästebuch der Schule. Ralph sitzt im Schneidersitz auf dem staubigen Vorplatz, das große Buch im Schoß, und beginnt zu malen: uns, zwei Fahrräder, ein Zelt, unsere Schule in Biberach und die Kerala Bhakar Schule. Alle wollen sehen, was er zeichnet, und obwohl die Lehrer für Ordnung sorgen wollen, hält es kein Kind mehr auf seinem Platz. Sie drängen und schieben und recken die Köpfe, um möglichst nah bei Ralph zu sein. Manesh, ein kleiner Junge mit gelber Mütze, darf stellvertretend für alle Kinder der Kerala Bhakar Schule unterschreiben. Der Stolz steht ihm in sein strahlendes Gesicht geschrieben.

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Leider müssen wir irgendwann wieder aufbrechen. Alle Kinder und Lehrer versammeln sich vor der Schule und winken. Der Abschied fällt uns schwer. Auch die Schüler wollen noch nicht, dass das exotische Unterhaltungsprogramm endet. Die Lehrer müssen sie regelrecht in die Klassenzimmer zurückscheuchen. Immer wieder steckt noch einmal ein Kind seinen Kopf aus der Türöffnung, wedelt heftig mit den Armen und ruft uns zu: „Namaste! Bye-bye!“

Wir drehen uns noch einige Male um, als wir den Hügel wieder hinablaufen. Was wir fühlen ist schwer, vielleicht unmöglich in Worte zu fassen. Bis heute, wenn ich diese Zeilen aufschreibe, kann ich kaum genau sagen, welche Gedanken und Gefühle mich erfüllten. Ich sehe viele Momentaufnahmen von einzelnen Kindergesichtern vor mir und muss an etwas denken, was mein Vater mir vor unserer Abreise sagte: „Stellt euch vor, was es für diese Kinder bedeutet, zu wissen, dass es irgendwo in Deutschland andere Schüler gibt, die an sie denken. Denen ihr Leben wichtig ist. Das wird sie enorm aufrichten und sie werden ganz anders in ihre eigene Zukunft schauen. Wenn du weißt, dass es jemanden gibt, dem du nicht egal bist, dass da jemand ist, der sich für dich einsetzt. Das ist der entscheidende Unterschied.“

Ich glaube, wir haben das in den Gesichtern gesehen.

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Den Regen ernten – Leben in der Wüste

 Schwungvoll lässt Ajitha das Seil in den Brunnen fallen und zieht den gefüllten Blecheimer mit gleitend gleichmäßigen Bewegungen ans Tageslicht. Mit stolzer Geste weist sie auf das klare Wasser im Eimer, das im Sonnenlicht glitzert. Ajitha rückt ihren Sari zurecht. „Mach ein Foto!“ bedeutet sie mir und setzt sich auf dem Brunnenrand in Pose. Sie ist stolz, denn dieser Brunnen gehört ihr. Sie weist auf das gelbe Schild am Rand des Tanks: Da steht mein Name!

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Wir sind mit Rajendra Kumar von der Hilfsorganisation GRAVIS aus Jodhpur in der Wüste Thar unterwegs. Er hat sich zwei Tage lang Zeit genommen, um uns einen Einblick in die zahlreichen Bereiche zu geben, in denen GRAVIS sich für die Bewohner in dieser entlegenen Gegend einsetzt. Heute zeigt er uns die einfachen, aber enorm wirksamen Verbesserungen in der Bewässerung, der Bepflanzung, beim Anlegen von Wasserreservoirs und beim Verbessern der Stellung der Frauen innerhalb der Familien und des Dorfes. Die unter Mithilfe von GRAVIS konstruierten unterirdischen Wassertanks, die das Leben der Familien sagenhaft verbessern, tragen alle eine Aufschrift. Dort kann man neben dem Fertigstellungsdatum und dem Projektpartner GRAVIS auch den Namen der Eigentümerin lesen. GRAVIS erstellt die Brunnentanks nur mit den Frauen der Familie, ihre Namen allein stehen in schwarzer Schrift auf gelben Grund. Warum? Zum einen weil Wasser in der Wüste schon immer Frauensache war, zum anderen, weil dies der wertvollste und prestigeträchtigste Besitz der Familie ist, und wenn der Name der Frau des Hauses draufsteht, dann wertet das ihre Position in Familie und Dorf enorm auf.

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Der dünne Stoff der Sarees ist gegen Vieles gut: Gegen die Fliegen im Gesicht, gegen die Sonne und gegen die Verlegenheit vor den fremden Besuchern.

Wir trinken gemeinsam einen süßen Masala-Tee vor ihrem Haus. Ajitha erzählt: „Es gibt ein Sprichwort, hier bei uns in der Wüste: Jeder Mensch badet in seinem ganzen Leben drei Male. Einmal zu seiner Geburt, einmal vor seiner Hochzeit und einmal nach seinem Tod, bevor er zu Grabe getragen wird.“ Sie macht uns damit eindrucksvoll deutlich, wie wertvoll Wasser hier schon immer war. Wir erfahren, wie das Leben ihrer Familie war, bevor sie mit Hilfe von GRAVIS diesen Brunnentank bauen konnten. „Meine Töchter und ich mussten zu einem sieben Kilometer entfernten Wassertank gehen und die schweren Wasserkrüge für die Familie auf unseren Köpfen wieder die sieben Kilometer zurück tragen. Wenn wir Glück hatten, konnten wir ein Kamel eines Nachbarn ausleihen, um mehr Wasser zu transportieren. Aber dafür fehlte uns meist das Geld. In dieser Zeit hatten wir für unsere 10köpfige Familie rund 15 Liter am Tag Wasser zur Verfügung.“

Ich versuche mir vorzustellen, wofür ich jeden Tag Wasser verbrauche – Trinken, Waschen, Duschen, Kochen, Wäsche waschen, Toilette – und wie mein Leben aussähe, wenn ich pro Tag für all das nur eineinhalb Liter zur Verfügung hätte. Und zwar in der Wüste, wo es im Sommer bis 50 Grad heiß werden kann. „Seit wir dank GRAVIS den Brunnentank haben, gibt es für uns genügend Wasser, auch zum Waschen“, Ajitha lächelt stolz. Vor dem Tank befindet sich eine Auffangfläche für Regenwasser, so dass die wenigen, aber starken Monsunregenfälle die Familie jetzt für das ganze Jahr mit Trinkwasser versorgen.

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Das Dorf direkt neben der Kerala Bhakar Schule. Hier wohnen unsere Schüler.

 

Das Fahrrad, ein Werkzeug der Freiheit

Gemeinsam mit Rajendra Kumar von GRAVIS sind wir bei vielen Familien in der Wüste zu Gast. Überall werden wir als Ehrengäste empfangen. Viele, sehr viele sehr süße Tees werden uns gereicht. Wer unseren seit den Stanstaaten gültigen strikten NO-TEA-Grundsatz kennt (abgeleitet von unserem Motto „alles besser als Durchfall“), der kann sich vorstellen: Zunächst hatten wir immer den Impuls, höflich abzulehnen. Rajendra ist entsetzt: „Das geht nicht, das ist eine große Ehrerbietung. Hier in der Thar gilt: Der Gast ist Gott, der zu Besuch kommt. So wird er auch empfangen.“

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Wir wissen schon wie es läuft: Das Familienoberhaupt sitzt mit den Gästen beim süßen Tee auf den eilig herausgetragenen Betten zusammen und bespricht das Neueste. Alles andere kann warten.

Der Tag hat erst begonnen und wir haben schon den sechsten Tee entgegengenommen. Uns wird klar, Gottsein verpflichtet und ist auch nicht immer leicht. Je mehr kleine Tässchen Tee wir trinken, mindestens halb mit Zucker gefüllt, je länger wir vor den einfachen Häusern sitzen und mit den Menschen sprechen, desto mehr setzt sich die Arbeit, die GRAVIS hier leistet, in unseren Köpfen wie Puzzleteile zusammen. Ein Puzzle zusammengeklebt mit süßem Chai. Wir lernen, was ein Brunnen mit Schule und was ein Fahrrad mit Gleichberechtigung zu tun hat.

„Früher mussten die Mädchen ihre Mütter begleiten, um Wasser für die Familie zu holen. Das nahm oft einen Großteil des Tages in Anspruch. Dank der Brunnentanks, die Regenwasser ernten, müssen die Frauen kein Wasser mehr heimtragen. So haben sie nicht nur mehr Zeit für andere Arbeiten – etwa für die Landwirtschaft oder für Handarbeitsprojekte, bei denen sie gemeinsam mit anderen Frauen Genähtes verkaufen und so ein eigenes Einkommen zu ihrer persönlichen Verfügung haben. Besonders für die Mädchen verbessert sich die Situation. Statt mit ihrer Mutter Wasser zu holen und ihre Ausbildung zu vernachlässigen, haben sie nun Zeit zur Schule zu gehen. So führt das sogenannte Rainwater-Harvesting, das Regenernten, zur Stärkung der Frauen in Familie und Dorfgemeinschaft.

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Frauenpower: Schülerinnen der Kerala Bhakar Schule mit ihren Hilfslehrerinnen

„Die Mädchen und Jungen hier in der Wüste werden unterschiedlich erzogen“, erläutert uns Rajendra. „Die Menschen denken: Ein Junge kann allein überall hingehen, ein Mädchen jedoch muss von der Familie beschützt werden und darf allein nicht so weit unterwegs sein. Der Radius, den Mädchen sich vom Haus selbstbestimmt entfernen dürfen, ist kaum größer als ein Kilometer. Wenn die Schule mehrere Kilometer entfernt liegt, halten es viele Eltern für zu gefährlich, ihre Töchter allein dorthin gehen zu lassen. „Das war bisher leider in den Köpfen so drin. Deshalb besuchen trotz Schulpflicht viele Töchter in abgelegenen Dörfern keine Schule oder brechen sie sehr früh ab, weil die weiterführende Schule zu weit entfernt liegt.“

GRAVIS ändert dies, in den Köpfen der Eltern und faktisch, indem sie jedes Jahr Fahrräder für die Mädchen hier in der Wüste kaufen. Auf einem Fahrrad darf ein Mädchen allein unterwegs sein. Es kann nicht nur schneller und sicher auch die Strecke zur weiter entfernten weiterführenden Schule zurücklegen, es kann auch selbständig ins Dorf fahren, um z.B. einzukaufen. „Ein Fahrrad sichert nicht nur die Bildung der Mädchen und stärkt ihr Selbstvertrauen, es erhöht auch das Ansehen der Familie im Dorf“, erzählt Rajendra. „Dann heißt es nämlich im Dorf anerkennend: `Seid ihr die Familie, die ein Fahrrad besitzt? Wir haben heute eure Tochter auf dem Markt gesehen.´ Auf diese Weise profitiert eine ganze Familie von einem Fahrrad.“ Wir zu Hause können uns kaum vorstellen, dass die Menschen hier in der Wüste oft so arm sind, dass das Fahrrad das einzige Transportmittel ist, das sie besitzen.

Aber dieses Konzept gefällt uns zweien natürlich sehr gut. Rajendra formuliert es so: “The bicycle is a tool for empowerment and freedom!“ Das Fahrrad, ein Werkzeug der Freiheit! Absolut!

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Das Fahrrad, ein Werkzeug der Freiheit! Wir können es gar nicht oft genug hören.

 

Sarvodaya – die Armen zuerst!

Mahatma Gandhi saß im Zug nach Durban. Die Fahrt dauerte insgesamt 24 Stunden und in seiner Erinnerung füllte er diese ganze Zeit mit der Lektüre eines einzigen Buches, das ihn so sehr fesselte, dass er nicht schlafen wollte. Es war das Jahr 1904 und Gandhi arbeitete noch als Rechtsanwalt in Südafrika. Erst viel später würde er weltbekannt werden als der Asket, der nur durch gewaltlosen Widerstand und durch seine moralischen Prinzipien ganz Indien revolutionierte. Später im Leben sollte er sich an jene Nacht erinnern mit den Worten: „Ich entschied mich (in dieser Nacht) mein Leben zu ändern gemäß den Idealen dieses Buches.“ Als er dieses Buch schließlich in seine Muttersprache übersetzte, gab er ihm den Titel „Sarvodaya“; ein Begriff, der Gandhis ganzes Streben auf den Punkt bringt: „Wohlergehen für alle“.

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Gandhi ist auch im Lehrerzimmer der Kerala Bhakar Schule anwesend. GRAVIS hat sich seine Prinzipien zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht. Sein Bild hängt in allen GRAVIS-Gebäuden.

Gandhis Sarvodaya meint allerdings wesentlich mehr als „Allgemeinwohl“. Es ist ein scharfer Begriff, an dem man sich gerade heute leicht schneiden kann. Warum? Das wird schnell klar, wenn man sich anschaut, wie das Allgemeinwohl-Ziel in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend von der Wirtschaftspolitik vereinnahmt wurde. Es lautet: Wohlergehen für alle, die Reichen aber zuerst. Deren heute kaum mehr hinterfragte Behauptung möchte glauben machen, dass eine Förderung der wirtschaftlichen Eliten schließlich auch den Armen zugutekommt. Beispielhaft ist das zu sehen an der Politik, die Donald Trump gerade in den USA umsetzt: Steuerbefreiung für große Konzerne, Abschaffung des Schutzes der Armen und Schwachen (Deregulierung), Staatsgeschenke für die Reichen (bezahlt von der Allgemeinheit). Die Behauptung, um diese Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen: Letztlich wird das dem einfachen Arbeiter zugutekommen, indem mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und die Löhne steigen. Das ist, wenn man die wirtschaftlichen Statistiken aller westlichen Industrieländer der letzten Jahre betrachtet, nichts anderes als eine freche Lüge.

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Gandhi hingegen stellt das Allgemeinwohl-Ziel vom Kopf auf die Füße. Er fordert: „Wohlergehen für alle – die Armen zuerst!“ Er wendet sich damit gegen die moderne Ausbeutung der Armen durch die Reichen. Mahatma Gandhi kämpfte vor 100 Jahren für dieses Ziel. Diese scharfe Kritik am Kapitalismus und die Positionierung auf Seiten der Armen ist längst keine linksrevolutionäre Position mehr. Die evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Kirche vertreten diese Position schon seit Jahrzehnten. Sie berufen sich dabei auf zentrale Bibelstellen und machen klar, dass dies eine Kernposition des christlichen Glaubens ist. Besonders auch die Weihnachtsgeschichte könnte nicht klarer sein in dieser Hinsicht: Gott kommt zu allen Menschen, zu den Armen aber zuerst! Mehr noch: Gott selbst wird ein Armer!

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Dieses Jahr feierte Indien den 70. Geburtstag seiner Unabhängigkeit. Geht es den Armen heute besser in Indien? Wenn wir auf den indischen Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves hören, der in diesen Tagen den Alternativen Nobelpreis erhält: Nein! Schlimmer noch als nach Indiens Unabhängigkeit, werden die Rechte der Armen verletzt, Ausbeutung und Menschenhandel systematisch betrieben und von der Weltgemeinschaft im eigenen Interesse übersehen. Die Millionen Kinderarbeiter sind ein moralisches Weihnachtsthema, niemand ist aber bereit Grundsätzliches zu ändern, denn alle wollen billige Waren. Die Interviews mit Gonsalves lesen sich düster und deprimierend.

Besteht Hoffnung? Ja! Wo? Wir haben sie gefunden in der Wüste Thar, einem unwirtlichen Gebiet in Rajasthan, im Nordwesten Indiens. Dort hat sich die Hilfsorganisation GRAVIS schon seit Jahrzehnten den Idealen und Prinzipien Mahatma Gandhis verschrieben. Sie setzt den Grundsatz „die Armen zuerst!“ ganz konkret und entschieden im Alltag der Landbevölkerung um. Vor rund 40 Jahren gegründet durch ein Ehepaar aus den wohlhabenderen Schichten Indiens, das sich entschloss, trotz hervorragender Karriereaussichten alles aufzugeben und zu den Ärmsten aufs Land zu ziehen und dort Hilfe zu leisten. Nach ihrem Jura- beziehungsweise dem Pädagogikstudium gründeten sie die Hilfsorganisation GRAVIS, die heute mit etwa 130 Mitarbeitern Hilfe für rund eine Million Menschen leistet, die in einem riesigen Wüstengebiet von rund 120.000 Quadratkilometern wohnen. Wir haben zwei ihrer Mitarbeiter, den Koordinator der Schulprogramme und einen Landwirtschaftsexperten, drei Tage lang begleitet.

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Rajendra Kumar, der GRAVIS-Experte für Landwirtschaft und Bewässerung, geht mit großen Schritten durch den Sand und streckt seine Hand entschieden aus. Die Begrüßung mit dem Dorfältesten fällt so herzlich aus wie zwischen alten Freunden. Sie kennen sich schon lange und haben gemeinsam bereits viele Bauern vom Bewässerungsprogramm überzeugt. Allerdings ist dies Kooperation auf Augenhöhe, so betont es Rajendra immer wieder: „Wir arbeiten auf Augenhöhe mit der Landbevölkerung zusammen. Ich bin zwar Agrarwissenschaftler und kann viel Wissen weitergeben an die Bauern. Aber ich musste von ihnen erst vieles lernen über die Wüste hier, was von ihnen als Wissen über viele Generationen hinweg durch lange Erfahrung erworben wurde. Das ist ein sehr wichtiger Erfahrungsschatz über die Wüste. Wenn ich mein Wissen nicht mit ihrem Wissen abstimme, dann hilft alles nichts. Also höre ich erst einmal zu, was ihre Erfahrungen und ihre Probleme sind.“ GRAVIS verwirklicht den Grundsatz „Die Armen zuerst“ auf allen Ebenen, auch im persönlichen Umgang mit den Bewohnern der Wüste hier. Wir sind drei Tage lang bei diesen Gesprächen dabei. Mit dem Jeep fahren wir immer wieder stundenlang durch die Wüste, dann erneut Tee, wir sitzen auf den einfachen Bettgestellen, die für uns vor das Haus getragen werden, Stühle besitzen die Armen hier meist nicht. Unser Besuch ist eine besondere Ehre. Nach dem Tee wird uns das Wichtigste gezeigt, das, auf was die Familie besonders stolz ist: die Enkelkinder, der Brunnentank, die Kuh.

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Wir sitzen auf den Betten in der Wüste und halten einen weiteren unvorstellbar süßen Begrüßungstee in den Händen. Wir hören die Erzählungen, wie die Menschen unter der Tyrannei des Wassermangels leiden, wie sie die Armut hier in der Wüste gefangen hält. Wir sehen mit eigenen Augen, wie groß die Befreiung für die Familie ist, wenn genügend Wasser da ist, wenn ein Arzt aufgesucht werden kann, wenn die Tochter ein Fahrrad hat und in die Schule gehen darf. Das sind nicht nur Werkzeuge der Freiheit, das ist Befreiung. Hier findet Befreiung statt, man kann sie sehen. Wir hingegen haben in den letzten Tagen darüber nachgedacht, wo und wie wir Weihnachten verbringen wollen. Uns fällt der Gegensatz auf zu dem, was diese Bäuerinnen, Steinbrucharbeiter und Schüler umtreibt. Unsere Überlegungen zu Weihnachten kommen uns daneben mickrig vor.

Warum eigentlich? Weihnachten hat doch genau das zur Botschaft: Gott kommt, um uns zu befreien. Alle unsere Weihnachtsbräuche haben ursprünglich doch nur den einen Zweck, Ausdruck zu geben dieser Freude auf und über unsere Befreiung. Die Sache hat allerdings einen Haken: Wir wollen gar nicht befreit werden. Wir wissen nicht mehr, wovon und wozu wir befreit werden sollen. Wir sind satt, versorgt, etabliert. Das ist nicht schlecht. Das wollen wir auch nicht ändern. Feiern wir deswegen so laut und übertönend dieses Weihnachten, weil uns der eigentliche Zweck des Festes längst undeutlich geworden ist? Vielleicht kommt Gott deswegen zu den Armen zuerst, weil sie Befreiung heiß ersehnen und sie für sie noch süßer schmeckt als der Tee, den sie Gott zur Begrüßung reichen werden.

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 GRAVIS und das Silikoseprojekt

 Wir sind dankbar. Denn das ist vermutlich nur wenigen Menschen vergönnt, dass sie Geld für einen guten Zweck spenden und dann mit eigenen Augen sehen können, was daraus Gutes entsteht. Wir sind den Kindern in der Kerala-Bhakar-Schule begegnet und sind dankbar, dass mit Eurer Hilfe diese Kinder aus den ärmsten Familien jetzt zur Schule gehen können. Der Einsatz vieler Schüler und der SMV an der Gebhard-Müller-Schule in Biberach ist überwältigend. Sie haben mit ihrem beeindruckenden Engagement auch viele Erwachsene von dem Indienprojekt überzeugen können. Dank all dieser Unterstützung konnten seit 2014 jedes Jahr mehr als 50 Kinder zur Schule gehen. Momentan sind in den beiden Klassen 65 Schülerinnen und Schüler. Wir sind dankbar, denn auch dieses Jahr werden sieht es so aus, als würden wir wieder genug Geld sammeln können, so dass auch 2018 diese besondere Schulpartnerschaft weitergeführt werden kann. Aber wir haben noch ehrgeizigere Ziele.

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Wir haben lange mit Dr. Prakash Tyagi, dem Direktor von GRAVIS, geredet und haben ihn gefragt, was im Moment das größte Problem für die Familien unserer Schüler ist. Dr. Tyagi ist ein auf Pünktlichkeit bedachter, sehr sachlicher, introvertierter Mensch. Jetzt erleben wir ihn aber überraschend aufgewühlt. Er ist Arzt und fängt an von der Silikose zu sprechen, der Staublungenkrankheit. Fast leidenschaftlich beschreibt er seinen langjährigen Kampf gegen diese Krankheit unter den Steinbrucharbeitern. Silikose ist, einmal ausgebrochen, unumkehrbar und führt innerhalb weniger Jahre zum Tod. Fast alle Familien unserer Schüler beklagen Tote durch diese Krankheit, denn in jeder Familie muss auch Geld im Steinbruch verdient werden. Die Landwirtschaft wirft hier in der Wüste in der Regel nicht genug Gewinn für den Unterhalt einer Familie ab. Da hier die Menschen in sehr jungem Alter anfangen in den Steinbrüchen zu arbeiten, erkranken viele schon mit Anfang 30 und sterben bevor sie 40 werden. Das entreißt den Familien nicht nur Vater oder Mutter, sondern auch die wirtschaftliche Überlebensgrundlage. Oft folgt dann ein Niedergang, der in der Schuldsklaverei auch der Kinder endet. Das muss nicht sein, denn Silikose ist einfach vermeidbar, sagt Dr. Tyagi. So einfach, dass man sich die Haare ausreißen könnte darüber, dass es diese Krankheit noch immer gibt. Beim Arbeiten im Steinbruch muss die Entstehung von Steinstaub und dessen Einatmen vermieden werden. Die Maßnahmen dafür sind sehr einfach: Besprühen der Bohrlöcher mit Wasser und das Tragen von Masken.

Dr. Tyagi plant mit GRAVIS schon länger ein Vorsorge- und Präventionsprojekt, das zum Ziel hat, die nötige Aufklärungsarbeit bei Arbeitern und Steinbruchbesitzern durchzuführen. Die Infrastruktur und das Vertrauen in der Bevölkerung der Thar Wüste hat GRAVIS schon längst durch sein jahrzehntelanges Engagement dort. Bisher fehlt das Geld dafür. Ich frage ihn nach den Kosten, sie sind beschämend gering. Etwa fünf Euro würde die Silikoseprävention pro Arbeiter kosten. Ich mache mir das klar: Einen Steinbrucharbeiter vor dem frühen und qualvollen Tod durch Silikose zu bewahren, kostet fünf Euro. Ich wundere mich, warum sich dafür nicht Geld finden lässt. Dr. Tyagi erklärt uns: „Solche Präventionsprogamme sind bei Hilfsorganisationen nicht besonders populär. Denn die Spender können den Erfolg nicht in Zahlen ablesen. Dank der Prävention haben wir gesunde Menschen, die gesund bleiben. Wir können den Spendern nicht sagen, wie viele Menschen wir dadurch vor dem Tod durch Silikose gerettet haben. Das wäre unredlich.“ Innerlich schütteln wir über diese Zusammenhänge den Kopf. Besonders als wir vor dem Steinbrucharbeiter stehen, der fast stolz seine amtliche Bestätigung, dass er unheilbare Silikose hat, herzeigt. Jetzt übernimmt der Staat die Kosten für die Behandlung der Symptome, etwa 30 Euro pro Jahr. Nach seinem unvermeidlichen baldigen Tod wird seine Familie eine einmalige Entschädigung von 1200 Euro erhalten. Er hält das amtliche Schreiben wie ein Todesurteil vor seiner Brust.

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Spätestens jetzt beschließen wir, unseren Schülern in Biberach vorzuschlagen, mit dem Geld, das über die Finanzierung der Schule hinaus gespendet wird, die Silikoseprävention von GRAVIS zu finanzieren. Sie kommt, davon sind wir unterdessen überzeugt, unmittelbar unseren Schülern zugute, deren Familien in Zukunft nicht durch dieses vermeidbare Übel zerrissen werden.

Auch Euch legen wir die Kerala Bhakar-Schule und das Silikose-Präventionsprogramm von GRAVIS sehr ans Herz und bitten Euch um eine Spende dafür.

Wir denken an Euch und wünschen Euch allen frohe und gesegnete Weihnachten!

Eure Imke und Euer Ralph

 

Infobroschüre zum Indienprojekt als pdf (hier klicken)

Weitere Informationen findet Ihr hier: www.gravis.org.in und hier auf unserer Homepage unter „Projekt“.

Spendenkonto:
Verein der Ehemaligen und Freunde der Gebhard-Müller-Schule e. V.
IBAN: DE02 6545 0070 0007 0957 26
BIC: SBCRDE66
Verwendungszweck: GMS Indien + Ihr Name und Ihre vollständige Adresse (für die Spendenbescheinigung)

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Fremdenfreundlichkeit

Von Ganzi nach Chengdu

ACHTUNG: Jetzt ist auch unser Bericht über Xinjiang auf der Homepage zu lesen. Bisher wurde dieser Bericht nur an die Abonnenten unseres Newsletters verschickt. (siehe „Berichte“ hier klicken)

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Die letzte Etappe Tibet, unser letzter Radfahrabschnitt in China, führt uns von Ganzi nach Chengdu. Von den Höhen des Himalaya hinab in die tiefe Ebene von Sechuan. Wir folgen verschiedenen Flusstälern, rund 750 Kilometer immer auf der G 317, über nochmal drei 4000er-Pässe und dann nur noch runter, runter, runter. Unglaubliche 3500 Höhenmeter Abfahrt erwarten uns, allerdings verteilt auf 400 Kilometer! Weiterlesen

von hier nach da – Himalaya

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Von Golmud nach Yushu: über das tibetische Hochplateau

Von Golmud  fuhren wir los auf der G 109, der Straße, die nach Lhasa führt. Diese Straße müssen wir uns leider mit vielen LKWs teilen, die ebenfalls unterwegs waren nach Tibet. Das machte das Radfahren zwar ein bisschen weniger entspannt, weil wir öfter in den Straßengraben ausweichen mussten, aber in der Regel hielten alle LKWfahrer genügend Abstand. Was uns viel mehr aus der Fassung brachte, waren die endlosen Militärkolonnen, die uns auf ihrem Weg in die Autonome Region Tibet mehrfach täglich passierten. Sie waren so lang, dass wir aus Sicherheitsgründen regelmäßig von der Straße fuhren und warteten, bis sie vorbei waren – oft eine Viertelstunde lang. Militärlaster um Militärlaster donnerte an uns vorbei, Mercedes Benz an Mercedes Benz – Made in Germany für die Unterdrückung der Tibeter. Auch nachts hörten wir im Zelt abseits der Straße stundenlang das tiefe, beunruhigende Grollen der Militärkonvois nach Lhasa. „Was machen diese Unmengen von Soldaten da nur alle?“ fragte ich irgendwann fassungslos. „Tibet belagern“, war Ralphs schlichte Antwort. Weiterlesen