Wir Mongolen

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Ein Traum

An meine Träume erinnere ich mich gewöhnlich schon beim Aufwachen nicht mehr. Dieser Traum allerdings steht mir jetzt immer noch ganz klar vor Augen. Normalerweise erzähle ich nicht von den seltenen Träumen, die ich erinnern kann, denn Traumdeutung ist meiner Meinung nach ein haltloser Humbuk. Sollten Träume tatsächlich Aussagen über Unbewusstes zulassen, dann ist es verwunderlich, wie konventionell und platitüdenhaft die Deutungen in der Regel sind. Jedenfalls werde ich diesen Traum erzählen, auch auf die Gefahr hin, dass ich Euch den Spaß der laienhaften Deutung nicht verbieten kann:
Mondlos war die Nacht und kalt. Das Gewitter, das über unser Zelt noch vor wenigen Stunden hinweggefegt war, hatte die Luft in besonders stiller Starre zurückgelassen. Wir hatten um unser Zelt gefürchtet, weil die Windböen so heftig gewütet haben. Jetzt war die Stille nach dem Sturm umso greifbarer. Ich war dabei einzuschlafen, es war ein anstrengender Tag gewesen. Im Halbschlaf in der Stille traf mich das brüllende Grunzen, das kehlige Röhren wie ein Stromschlag. Atem und Herzschlag setzten mir gefühlt aus und alle Muskeln spannten sich an. WAS war das? Was es auch immer war, es war nur wenige Meter jenseits der dünnen Zeltwand von mir entfernt. Es stand direkt neben mir und es war sehr laut. So laut, dass der erzeugende Resonanzkörper gewaltig sein musste. Ein Bär würde so brüllen. Aber da war auch eine Art tiefes Grunzen dabei, kehlig und dunkel und vor allem sehr laut. Ich war mir sicher: Mit einem Wesen, das solche Geräusche macht, hatte ich es noch nie zu tun. Mit geöffnetem Mund, um besser zu hören, lag ich in der Finsternis. Da bebte die Erde. Ein einzelnes Stampfen, wie von einem Huftier – ein 700-KG-Huftier! Es muss direkt neben meinem Kopf stehen. Jetzt hörte ich das Schnauben – verflucht, ich höre das Monster sogar atmen, es muss wirklich ganz nah am Zelt stehen, ein, zwei Meter entfernt! WAS ist das?

DSC06738Ich versuchte so flach wie möglich zu atmen, während mein Herz raste. Kann es mich auch atmen hören? Mit was kann ich mich verteidigen? Mit einem Schweizer Taschenmesser sicher nicht! Wo ist das überhaupt? Röööhrbrülll! Stampf! Bei dieser Lautstärke blieben mir die Gedanken in den Nervenwindungen stecken. Es steht direkt neben mir und ich liege flach auf dem Boden. Es wird mich einfach zertrampeln, bevor ich mich aus dem Zelt gewunden haben werde – außerdem klemmt unser Zeltreißverschluss seit einigen Tagen. Wieder höre ich das Schnauben. Oder schnuffelt das Vieh an unserer Zeltaußenhaut? Soll ich mich bemerkbar machen? Ich entscheide mich für totstellen, aber das hilft nichts. Es folgt ein weiteres sehr aggressiv klingendes Gebrüll und ein donnernder Hufschlag. Hier ist kein Zweifel möglich, wir sind gemeint. Unser Zelt steht im Weg und der Gegner da draußen ist kurz vor der Attacke. Aber es gibt leider auch keinen Zweifel darüber, dass sich unser Zelt nicht wegbewegen wird. Wird das Vieh das als Herausforderung interpretieren? Werde ich gleich in dieser kuhfinsteren Nacht mit einem Monster kämpfen müssen? Wird mein Leben mit einem klemmenden Reißverschluss enden? Ich werde mich nicht bewegen, möglichst leise atmen, ganz still liegen bleiben. Ich lauschte und lag still da in der Finsternis.
In diesem Moment erwachte ich gottseidank aus meinem Traum und fand mich auf dem Gehweg einer süddeutschen Kleinstadt wieder. Es war Sonntagmorgen und die Kirchgänger gingen kopfschüttelnd an mir vorüber – ich lag ihnen zu Füßen und hatte wohl in der Dunkelheit der Nacht meinen Schlafsack auf dem Gehweg ausgerollt. Insgesamt muss ich einen wirklich glücklichen und vor allem erleichterten Eindruck beim Aufwachen gemacht haben, denn irgendjemand, angesteckt von meiner Freude, lud mich zum Frühstück in sein warmes Wohnzimmer ein. Dort saß ich jetzt beim Kaffee, es gab Gebäck und es war so schön warm. Ich wollte immer dort sitzen bleiben.

DSC06734Dann erwachte ich in die Wirklichkeit und war wieder im Zelt in China in der kalten Gewitternacht auf 3000 Metern Höhe. Der Yakbulle, der mir mich zum Stillliegen gezwungen und den Sekundenschlaftraum eingebrockt hatte, war wohl währenddessen weitergezogen. Aber die Herde war direkt um uns herum. Ich hörte das leise Geräusch des Grasabrupfens und Kauens. Sie müssen direkt um uns herumstehen. Ich kann sie atmen hören. Es sind viele. Gruselig sind die Geräusche, mit denen sich eine Yakherde nachts koordiniert. Wie eine Flotte U-Boote in der finsteren Tiefe des Ozeans mit Echolotsignalen, so ertönte fast im Sekundentakt ein tiefes grollendes Grunzröhren. Wie eine Herde Mammuts, so stelle ich mir vor. Mit riesengroßem Resonanzkörper hört sich das wie von Wesen eines anderen Planeten an. So tönt es aus allen Richtungen, ganz nah und ferner, rings um uns herum. Grasabrupfen, Kauen, Schnuffeln, Antwortgrunzbrüllen. Beim Lauschen konnte ich nach einigen Minuten bestimmen, dass sich die Herde um uns herum in eine bestimmte Richtung bewegt. Gut, dann sind wir bald aus der Gefahrenzone raus, dachte ich. Allerdings sollte ich bald erfahren, dass die Gewohnheit einer Yakherde zu sein scheint, sich wie Gezeitenwogen vorwärts und zurück über das Hochtal zu bewegen. Erst nach Stunden, zur einbrechenden Morgendämmerung zogen sie dann endlich ganz weiter. Unser Schlaf war in dieser Nacht etwas flacher als sonst. Daher kam wohl mein Traum im Traum, was ich sonst nur aus schlechten Filmen kenne.
Eine wichtige Lehre nahm ich aus der Yaknacht und der Rivalität unseres Zeltes mit dem Yakbullen mit: Bleib möglichst still liegen und verhalte dich ruhig! Versuche niemals, eingekesselt in eine Yakherde bei Nacht, durch schrilles Pfeifen die Herde weiterzutreiben. Denn dann wird der Bulle noch aggressiver und bringt seine Kumpels mit. Anders als Traumdeutung basiert diese Behauptung auf gesicherter empirischer Erfahrung.

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Draußen vor der Tür

Etwas verknittert und unausgeschlafen machten wir uns am nächsten Morgen daran, die letzten Höhenmeter des Passes zu überwinden. Vielleicht, weil wir beide viel wach gelegen hatten, weil wir müde und durchgefroren waren, kamen wir auf die absurd hoffnungsvolle Idee, es noch einmal mit einem Hotel zu versuchen. Denn wir wussten, dass in dem kleinen Ort am Ende der 80-km-Abfahrt, an einer Straßenkreuzung, auf unserer chinesischen App mindestens fünf „Herbergen“ eingezeichnet waren. Sicherlich waren das eher Truckerabsteigen als Hotels, aber an diesem Tag erschien uns die Hoffnung auf ein trockenes Zimmer und eine warme Dusche zu nah, so mit Händen greifbar, als dass wir nicht daran glauben wollten: Heute würden wir uns bestimmt in einem Bett richtig ausschlafen, ohne Yakbullen, ohne Schneeregen, ohne Gewitter.
Unsere tolle Taktik, die wir uns diesmal ausgedacht hatten: Wir gehen gleich zur Polizei und fragen sie freundlich, in welchem Hotel wir als Ausländer schlafen dürften. Bestimmt wären sie auch von unserem kläglichen Anblick gerührt und in ihrem Verantwortungsbewusstsein angesprochen. Mit einem einnehmenden Lächeln betrat ich entschlossen die Polizeistation, nachdem ich mehrfach angeklopft hatte und niemand öffnete. Im kahlen Zimmer zwei Uniformierte, einer am Schreibtisch, der mich keines Blickes würdigte, einer kam auf die Tür zu und sah mich sehr ärgerlich an. Mist, bestimmt war es falsch, dass ich einfach hereingekommen bin! Ich gab ihm zu verstehen, dass wir auf der Suche nach einem Hotel seien, doch er hörte gar nicht zu, schob mich wieder hinaus auf die Straße, schüttelte energisch mit dem Kopf und deutete die Straße hinunter, mit den Armen weit ausholend. Schließlich verstand ich: 60 Kilometer da hinunter in die nächste Stadt, da könnt ihr übernachten. Hier nicht. Dann zog er die Tür mit einem Knall wieder zu.
Da standen wir draußen vor der Tür im Schneeregen und blickten in die Richtung, in die er gewiesen hatte. 60 Kilometer in die falsche Richtung lag das nächste für uns erlaubte Obdach. Der Traum war zu schön gewesen, und wir mussten zugeben, dass wir es eigentlich gewusst hatten. Hier in diesem heruntergekommenen Ort ein Hotel für Touristen – niemals.
Hier muss ich kurz einfügen, dass dies bisher aber unsere einzige wirklich unfreundliche Begegnung mit der Polizei geblieben ist. Manchmal sind die Polizisten an den Checkpoints auch einfach nur Konfirmanden, die mit ihrem Smartphone herausstürzen, um uns zu fotografieren, und uns nachher noch Wasser für die Weiterfahrt durch die Gobi schenken. Manchmal.

DSC06911Der Himmel verfinsterte sich, es war schon später Nachmittag, wir mussten uns noch rasch mit Lebensmitteln für die nächsten 200 Kilometer ohne Dorf über den nächsten Pass versorgen, wir mussten noch recherchieren, wie und ob wir auf dieser Strecke an Wasser kommen würden, denn bis hierher hatten wir kein Netz gehabt, da fing es auch schon an zu regnen…. Wir waren sehr erschöpft und nicht mehr gut gelaunt, als wir schließlich wieder aus dem Ort herausfuhren, von dem wir uns so viel erhofft hatten. Jetzt mussten wir irgendwo in dem engen Tal zwischen Straße, Fluss und Bahnlinie einen kleinen Platz für unser Zelt zu finden. Ralph kochte unser Abendessen, chinesische Fertigsuppen, im Nieselregen, der später, als wir im Schlafsack lagen, in Schnee überging.
Natürlich zelten wir die meiste Zeit ohnehin und sind immer draußen. Und das tun wir freiwillig und in der Regel gern. Aber in dieser Nacht spürten wir, dass es einen Unterschied macht, ob man aus freien Stücken oder gezwungenermaßen auf der Straße lebt. Im Stillen dachten wir an die lange Strecke, die in China noch vor uns lag, und befürchteten, dass solche Reiseumstände unsere Freude an diesem Land ziemlich trüben könnten.

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Buddhismus und Schamanismus

Wer die Welt durchreist, der stellt schnell fest, dass sich Regionen nicht nur durch Staatsgrenzen unterscheiden lassen. Hauptsächlich sind es klimatische, topographische und kulturelle Einheiten, die wir durchfahren. Lange Zeit waren wir jetzt in muslimisch geprägten Lebensräumen unterwegs. Wir haben, das wurde ja auch in unseren Berichten immer wieder deutlich, nicht ein einziges Mal erfahren, dass wir als Christen unfreundlich von Muslimen behandelt wurden. Oft wurden wir nach unserer Religion gefragt und immer wurden wir gastfreundlich, mitmenschlich, fürsorgend, ja oft auch liebevoll behandelt. Und so hielten auch wir es; wir begegneten den Menschen offen und freundlich, möglichst unvoreingenommen und auf Augenhöhe. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum uns wiederum so viel Freundlichkeit entgegengebracht wurde. Wir merken jedenfalls, dass unsere innere Haltung gegenüber den Menschen, die wir von Anfang an auf die Reise mitgenommen haben, die richtige Haltung war. Vielleicht ist das aber von vornherein eine Haltung gewesen, die uns unsere eigene Religion nahgelegt hat, eine Art Gottvertrauen in die Menschen. Eine Email, die wir von einem Freund erhalten haben, machte dies zum Thema und brachte uns ins erneute Nachdenken darüber.

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Wir waren lang im muslimisch geprägten Lebensraum unterwegs. Jetzt treten wir in einen ganz anderen Religionsbereich ein. Als wir hinter Nalati, nach rund 500 Kilometern Ebene den Pass erklommen hatten, fanden wir oben einen großen Steinhaufen, darauf viele Stöcke zu einer Art Trockenbuschgesteck zusammengebunden, rund drei bis vier Meter hoch. Drumherum an Schnüren wehten bunte, mit Bildern und seltsamer Schrift bedruckte Fahnen im kalten Wind. Wir waren innerlich sehr aufgewühlt dort oben zu stehen, nach 10 Jahren Planung und Ideen, Sehnsucht und nach rund einem Jahr Fahrt um die Welt: Wir waren in den Bereich des Tibetischen Buddhismus eingetreten. Das sichere Zeichen, dass wir unserem Traumziel, dem Himalaya näher kommen, der uns doch eigentlich verboten wurde von der Chinesischen Regierung, den wir schon abgeschrieben hatten für unsere Route um die Welt, den wir dann mit dem gelungenen Visum für China wieder in den Blick genommen haben. Jetzt stehen wir neben den Tibetischen Gebetsfahnen und wissen – wir sind schon so weit gekommen und bald so nah dran: von hier nach da – Himalaya! Wir hatten Tränen in den Augen.
In den folgenden Tagen beschäftigte uns natürlich auch intellektuell, dass wir jetzt in den Bereich des Buddhismus geradelt waren. Wie prägte diese Religion die Kultur hier? Was macht sie mit den Menschen? Wie ist die buddhistische Lebenshaltung im Vergleich zu der Lebenshaltung der Westlichen Welt?

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Ein Tag im Zelt

Wenn ich schlafe, schlafe ich. Durch unsere täglichen Anstrengungen ist dieser Schlaf meist auch so erschöpft und tief, dass ich, anders als Ralph, nachts auch nicht viel mitbekomme (außer, Yakbullen grunzen auf meiner Kopfhöhe).
Deswegen hatte ich die rieselnden- klatschenden Geräusche auf der Zeltwand in der Nacht auch nicht gehört. Als ich am Morgen den klemmenden Reißverschluss unserer Wohnungstür aufzog, war ich ziemlich niedergeschlagen und ernüchtert: Im Zeltvorraum die Satteltaschen und Schuhe in einer zähen Matschpampe, draußen windig und deutlich kälter als gestern, graue Nebelschwaden hängen um das tropfende Zelt, die Berge, die unter der Nebeldecke hervorschauen, sind frisch beschneit, ein Gemisch aus Nieselregen und Schnee weht mir ins Gesicht.

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Es kostet ohnehin jeden Tag einige Energie, sich selbst und allen Krempel, der im Zelt herumliegt, wieder zusammenzuraffen und alles auf das Fahrrad zu verladen, um von neuem in die Pedale zu treten. Heute dachte ich: „Nee! Das packe ich nicht.“ Ich zog den Reißverschluss wieder zu und ließ mich in einer Mischung aus Genervt- und Frustriertsein zurück auf die Isomatte fallen.
Da lagen wir. Bis zur kalten Nasenspitze im Schlafsack verschwunden, erschien vor unserem inneren Auge das, was wir von diesem neuen Tag erwarten durften: Eine Staubpiste, die sich über Nacht in Schlamm verwandelt hatte, das Zelt nass zusammenzupacken, dabei in einem Wust aus Dreck und Matsch zu baden, mit kalten Fingern und doch in der Regenkleidung zugleich schwitzend, also von außen und innen gleichzeitig nass, über einen verschneiten Pass zu fahren, abends das immer noch nasse Zelt wieder aufzustellen, im Regen Wasser zu filtern und zu kochen undundund….

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Ich habe wirklich selten schlechte Laune, aber heute fand ich alles ziemlich sch…. Ich hatte überhaupt keine Lust aufzustehen und fand unsere momentanen Lebensumstände unzumutbar. Was würde ich darum geben, wenn mich einer aus dieser Wirklichkeit herausbeamen könnte und mich unter eine Decke auf ein Sofa versetzen, mit einer Tasse Tee und einem Buch in Reichweite! Ich war entnervt. Warum musste immer irgendetwas sein? Entweder das Wetter ist Mist, oder irgendetwas ist kaputt, oder ein weiteres Dutzend Ausnahmezustände verlangen unsere Aufmerksamkeit.

An diesem Morgen gelang es uns unsere Stimmung zu wenden. Obwohl die Umstände dieselben blieben, schafften wir es, unsere Sichtweise zu ändern.
Wer sagt denn, dass wir heute das Zelt überhaupt verlassen müssen? Wir können doch einfach im warmen Schlafsack liegenbleiben!, so durchfuhr mich der revolutionäre Gedanke. Schnell war uns klar, dass wir keinen Pausentag eingeplant hatten. Das bedeutete, dass wir unsere Ration Tütensuppen mit Wasser würden strecken müssen. Aber das war es wert! Plötzlich veränderte sich unsere Stimmung, und uns fiel wieder ein, was unsere Situation fast sogar beneidenswert machte. Wir sind gesund! Wir wollten in den Himalaya, und nun sind wir endlich hier! Wir machen das alles freiwillig! Erstaunt stellten wir fest, dass sich die Fakten ja gar nicht geändert hatten – nur unsere Einstellung dazu. Wir waren wieder gut gelaunt, machten Witze über unsere Lage, waren sicher, dass es da hinten schon heller würde. Plötzlich hatte ich große Lust, den Tag lesend im warmen Schlafsack zu verbringen, und goss uns den letzten, seit dem Iran für Härtefälle aufgehobenen Kakao in die Tassen. Dazu wählte ich als Lektüre „Jane Austen – Verstand und Gefühl“ – das größtmögliche Kontrastprogramm zur Wirklichkeit. Ralph sorgte für die angemessen coole Musikuntermalung, und wenn man das Handy lange genug ganz unter die Zeltdecke hielt, hatten wir sogar ein klein wenig Empfang und konnten Nachrichten von zu Hause lesen. Für den Wetterbericht war das Netz zwar zu schwach, aber wen interessiert schon das Wetter, wenn man Freunde hat, die einem Mails schreiben. Dachte ich, machte es mir im Schlafsack gemütlich und war glücklich.

Wie auch in dieser Situation stellen wir fest, dass es angesichts unabänderlicher Umstände oft unsere Stimmung ist, die den entscheidenden Unterschied macht. Glücklicherweise gelingt es uns erstaunlich oft, die gute Laune zu bewahren. Gerade China hat uns in den letzten Wochen in dieser Hinsicht besonders gefordert. Manchmal wundern wir uns selbst, wie humorvoll wir die Herausforderungen Chinas nehmen können. Man könnte auch daran verzweifeln, wenn man zum Beispiel dreimal Essen bestellt und sich auch ganz sicher ist, dass der Gegenüber die Bestellung verstanden hat, stattdessen vier unbestellte Bier serviert bekommen hat, nach zweieinhalb Stunden jedoch mit leerem Magen das Lokal verlässt.

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Im Arbeitslager

Mit dem Fahrrad unterwegs erhält man den Eindruck, China auf dem Land sei eine einzige Baustelle. Vom Grenzübergang von Kasachstan her kommend, folgen wir 400 Kilometer lang einer im Bau befindlichen neuen Autobahntrasse. Sie ist Teil des gigantischen chinesischen Projekts „Neue Seidenstraße“. Ein Infrastrukturplan, der vorsieht mehrere Schienen- und Straßenkorridore von China über Zentralasien bis nach Duisburg zu bauen. China finanziert dabei Infrastruktur in allen betroffenen Ländern und betreibt so eine wirtschaftliche Ausdehnung seines Einflussbereichs bis nach Afrika und ins Zentrum Europas. Seit Monaten schon sind wir unterwegs an diesen Baustellen oder entlang der schon bestehenden Trassen. Dazu gehörten die Bauprojekte in Tadschikistan und Kasachstan, der Grenzknotenpunkt Korgos, die Jining-Bahnlinie und eben auch diese Autobahn.

Wir sind erschüttert von dem, was wir sehen und sind dabei erinnert an historische Schilderungen von chinesischen Arbeitskolonnen im Eisenbahnbau. Die Arbeiter hausen in heruntergekommenen Baracken. Überall liegt Müll herum und es stinkt bestialisch. Es gibt keine sanitären Anlagen, keine Wasserversorgung. Vor Lehmhütten sitzen die Menschen im Matsch und putzen Gemüse. Das einzig etwas freundlicher wirkende irgendwie offizielle Gebäude in den Barackensiedlungen, mit ein paar Trimmdich-Geräten davor, ist einladend mit Stacheldraht eingezäunt. Überhaupt ist in China alles mit Stacheldraht umzäunt und mit Personenscannern gesichert: Parks, Ladenzeilen, Springbrunnen mit Bänken davor – eigentlich alle öffentlichen Orte. In jedem Laden, in jedem Restaurant lehnen neben dem Eingang ein dicker hölzerner Schlagstock, ein Schutzschild und ein Stahlhelm. Überall. So ist die staatliche Polizeimacht sogar dort präsent, wo sie gerade nicht leibhaftig anwesend ist. Ich frage mich, was das ständige Gefühl des Eingesperrtseins oder der befürchteten Bedrohung durch mögliche Terroristen mit den Menschen macht. Ich jedenfalls habe oft das beklemmende Gefühl, mich in einem Arbeitslager zu befinden.

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Andere leben wirklich in einem Arbeitslager. Zum Beispiel die Bewohner eines riesigen Plattenbaus für Arbeiter direkt neben einer Fabrik, mitten in dem Steinweiten-Nirgendwo der Wüste Gobi, von Stacheldraht eingeschlossen. Oder die Arbeiter auf der Baustelle, an der wir seit Tagen entlangfahren. Männer und Frauen ohne Schutzkleidung, stehen mit Schlagbohrern und Schaufeln im Geröll und sehen uns wie Erscheinungen nach, wenn wir freundlich grüßend an ihnen vorbeifahren. Nie werde ich das Gesicht der kleinen schmalen Frau vergessen, die unter mir in einem Erdloch stand und mich erschrocken und zugleich fassungslos anstarrt, als ob sie eine Außerirdische erblicke. Den zu kleinen Helm schief auf dem Kopf, eingefallene Wangen, Schmutzspuren auf den Backen, gefriert ihr die Spitzhacke über dem Kopf in der Bewegung ein. Ich muss an eine Dokumentation denken, die einmal im Fernsehen lief: „Die neue Supermacht – warum China alle überholt“. Hier sehen wir die Antwort darauf. Menschen, die wie eine Einweg-Ketchupportion, die man zu den Pommes dazu bekommt, in der Faust ausgequetscht und dann weggeworfen werden.
Wie zynisch erscheint es uns jetzt, wenn wir in Deutschland uns Sorgen darüber machen, dass unsere Schüler in der Pisa-Studie so schlecht abschneiden, wohingegen die chinesischen Schüler überall vorn sind. Mit welchem Preis wird dies bezahlt? In keinem anderen Land blickten wir in so viel Angst in den Augen der Menschen, die uns begegneten. Angst, einen Fehler zu machen im Umgang mit Ausländern, Angst, etwas Verbotenes zu tun, Angst, eigenverantwortlich zu handeln.

Natürlich überholt China wirtschaftlich so viele Länder, wenn dies auf Kosten von Arbeitern wie diesen auf der Baustelle geschieht. Viele können, stellen wir fest, nicht einmal lesen. Es ist leicht, Profit zu machen, wenn dies auf rücksichtslosem Ausbeuten von Menschen beruht. Vom Wirtschaftswunderland China, an dem sich viele Länder im Westen orientieren und dem sie sich andienen wollen, sehen wir zu Hause immer nur die Hochglanz-Fassade. Den dunklen vermüllten Hinterhof, die wahren Lebensumstände der Arbeiter, auf deren Rücken die wirtschaftlichen Erfolge Chinas beruhen, bekommen wir jetzt zu Gesicht. Wir müssen mit dem Fahrrad hindurchfahren und es macht uns zutiefst wütend und traurig. Wenn China sein Wachstum dadurch erwirtschaftet, dass die Massen an Arbeitssklaven vom Wohlstand ausgeschlossen bleiben, ist das eine bitter zu beklagende Ungerechtigkeit und kein Vorbild, dem man nacheifern sollte. Wir sollten in Deutschland dem gegenüber eher stolz sein auf Errungenschaften wie Rechtsstaatlichkeit, Arbeitermitbestimmung, Menschenrechte, systemkritisches Denken und Demokratie. All das befördert nicht unmittelbar das Wirtschaftswachstum, gehört aber zu einer menschenfreundlichen und gerechten Gesellschaft.

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Wir Mongolen

Wir waren hungrig und durchgefroren, als wir in das dreckige Dorf einfuhren. Wir hatten hier eigentlich gar keine Ansiedlung erwartet, wussten aber, dass in unserer chinesischen In Landkarte auf dem Smartphone eine Art Laden eingezeichnet war. Was das dann genau sein würde, konnten wir nie sagen – die chinesischen Schriftzeichen sagen uns immer noch nichts. Also waren wir ziemlich erfreut überhaupt auf eine Siedlung zu treffen, bevor der Pass losgehen würde. Es war grau, kalt und konnte jeden Augenblick wieder anfangen zu regnen. Die Oberflächen der Welt sahen nicht gut aus. Aber wir hatten unterdessen gelernt, dass das Entscheidende hinter der Oberfläche verborgen liegt und so schauten wir genau hin. Und tatsächlich, zwischen einer Autowerkstatt, die wie ein Schrottplatz aussah, und dem Ausweideplatz für Ziegen und Schafe, auf denen die frischen Gedärme und Gerippe der geschlachteten Tiere lagen, fanden wir, was wir insgeheim sehnlich erhofft hatten: Eine Garküche. Leider war dort die Innentemperatur gleich der Außentemperatur trotz Kanonenofen. Er war kalt. Offenbar war kalt relativ und im Vergleich dazu, wie kalt es hier in einigen Monaten sein würde, war es jetzt noch ziemlich mild. Wir hatten Mitte September im Tien Shan und waren auf zweieinhalb Tausend Metern Höhe. Trotzdem lief die Mehrheit der männlichen Bevölkerung schon in Militärparkas herum. Unterdessen wussten wir, dass sich darunter nur selten wirklich Militär verbirgt.

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Wir setzten uns an einen Tisch, der Raum war leer. Während wir warteten, ging ich in das Nachbarzimmer, das eine Art Laden war und fragte nach Instantkaffee. Ich hatte wenig Hoffnung hier welchen zu finden, wollte aber die Gelegenheit nutzen, denn der nächste Laden würde einen Pass und 160 Kilometer später im anderen Dorf sein – vielleicht. Der Verkäufer war gelähmt vom Wunder meiner Erscheinung. Ich bin mir sicher, dass hier keine Touristen durchkommen, zumal die Straße seit drei Jahren gesperrt ist. Ich bin mir ganz sicher, dass dieser Laden vielleicht noch nie von einem Langnasen-Menschen betreten wurde. Dementsprechend war die Reaktion. Übrigens ziemlich repräsentativ für das, was wir vorwiegend in China erfahren: Die Gespräche verstummen in der Regel, wenn wir eintreten. Alle beobachten uns, halten aber eine respektvolle Distanz und erkunden uns ganz diskret. Wie zufällig wird dann in unserer Nähe etwas „erledigt“ oder „gesucht“ und wir sind meist etwas amüsiert, mit wieviel Zurückhaltung die Neugier in Zaum gehalten wird. Insgesamt sehr angenehm. Ganz und gar nicht ein stumpfes Begafftwerden. Eher ein ehrfürchtiges Aufsaugen unserer Anwesenheit. Das ist uns meist sogar peinlich, weil wir merken, wie nervös wir die Menschen um uns herum machen. Manchmal können wir beobachten, wie lang es dauert, bis sie die Scheu überwinden und endlich sich den Mut nehmen uns anzusprechen. Meist können sie dann nur einen Satz oder ein Wort Englisch, in der Regel ganz unpassend der Situation. Aber wenn sie sich das Herz genommen haben, der Schritt auf uns zu erfolgt und der Satz ausgesprochen ist, kann man die Freude und die Erleichterung über unsere freundliche Reaktion fast überkochen sehen. Oft ist es auch nur das höfliche Aufunszutreten, Wedeln mit dem Handy und das scheue Fragen: „Foto?“ Dann gleich das innige Armumdieschulterlegen oder das Wangeanwangeschmiegen der Frauen und das vielfache Bedanken nach dem Selfie. Wir fühlen uns hier wohl, wir können ganz gut mit der Art der Leute hier in Xinjiang.

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Auch jetzt, beim Eintreten im Laden war es eine Mischung aus Aufregung, Neugier und Verschämtheit, die den Ladenbesitzer in seiner Haltung hinter der Theke einfrieren lies. Ich durchschritt die kurzen Regale und sah schnell: wieder kein Instantkaffee. Überhaupt kein Kaffee. Ah, doch da, kleine Tütchen, das könnte Pulverkaffee sein. Ich betrachtete den Aufdruck: alles Chinesisch, nichts lesbar für mich und die Bilder uneindeutig. Also, dann probier ich mal mein Glück und starte eine „Unterhaltung“. Ich trete auf die Theke zu und gebe das Tütchen dem Ladenbesitzer in die Hand. „Kaffee?“ Vielleicht ist das ja ein internationale Wort und auch in China irgendwie gebräuchlich. Er dreht und wendet die Verpackung und vermeidet jeden Augenkontakt. Hat er mich verstanden? Ich weiß es nicht. Sichtlich nervös dreht und wendet er weiter. Die Verpackung ist ca. drei Zentimeter lang und einen halben Zentimeter breit. Die Oberfläche müsst ihm unterdessen bekannt sein. Lächelnd gibt er mir das Päckchen zurück und nimmt sein Handy.

Ahja, Vermeidungsstrategie, denke ich und weiß, dass das hier üblich ist. Vermutlich ist es kein Kaffee, er will mich aber nicht enttäuschen. Oder es ist etwas, das er auch nicht kennt und will meine Frage nicht mit einem „Weißauchnicht“ zurückweisen. Oder er hat einen Blackout vor Nervosität und begeht eine kleine Realitätsflucht, indem er sms schreibt. Alles haben wir schon öfter erlebt. Ich bin unterdessen überzeugt, dass nichts davon unfreundlich gemeint ist. Also gut, bin ich mit meinem Problem wieder allein in dieser chinesischen Welt. Er telefoniert und ich wende mich wieder dem Regal zu. Halt! Habe ich da gerade das Wort „Kaffee“ gehört? Tatsächlich. Er ruft die Notfallhotline an und gibt mein Problem weiter – vermutlich an seine Frau zu Hause, die den Laden besser kennt als er. Jetzt kommt er hinter der Theke vor und folgt den Anweisung, geht die Regale durch, suchend. Ich höre immer wieder „Kaffee“ in der Unterhaltung. Hatte ich mein Gegenüber mal wieder unterschätzt. Aber, nein, es scheint hier keinen Kaffee zu geben. Telefonat zu Ende, trauriges Gesicht. Jetzt nimmt er mir wieder das kleine Päckchen aus der Hand. Diesmal öffnet er es, schaut persönlich nach, ob ich nicht doch Recht habe. Aber darin befindet sich ein Kaubonbon. Wie wenig international die Verpackungs- und Werbungssprache doch sein kann. Offensichtlich kein Kaffee. Aber auch damit will sich dieser wirklich bemühte Ladenbesitzer nicht zufrieden geben. Er beißt ab vom Kaubonbon, schmeckt, überlegt, dann ganz rührend, als ob er noch sich im Alter befindet, in dem man die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Welt erkundet. Er schüttelt enttäuscht den Kopf, sagt leise das Wort „Kaffee“ und schüttelt wieder den Kopf. Ich bin mir ganz sicher, dass dieser erwachsene Mann in diesem Moment Traurigkeit empfand darüber, dass er meinen Wunsch nach Kaffee enttäuschen musste.

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Immer wieder erleben wir in den einfachen Begegnungen mit den Menschen auf unserem Weg solch unmittelbare Menschlichkeitssituationen. Wir sind uns unterdessen einig, dass dies zu den Haupterlebnissen unserer Reise gehört. Wir sind fast täglich im tiefen Inneren ergriffen von solchen und ähnlichen Begegnungen. Meist sind es einfache Alltagssituationen, aus denen heraus uns die Offenheit der Menschen trifft. Immer ist es für uns schwierig zu beschreiben, was da eigentlich Großes sich ereignet, denn es ereignet sich immer aus dem Kleinen, dem Banalen, dem Einfachen heraus. Immer wissen wir, dass es etwas sehr Wertvolles ist, was uns dadurch auf unserem Weg mitgegeben wird von den Leuten.

Ich bedeute dem Ladenbesitzer kurz zu warten, gehe nach draußen und hole unsere Dankeskarte. Zurück im dämmrigen Laden überreiche ich sie ihm mit beiden Händen. Begeistert dreht und wendet er sie, betrachtet lange das leuchtende Grün der Büsche von Mettenberg, deutet auch mein Bild und dann schaut er mich an und deutet auf mich und nickt. Dann ein Blick auf unsere Weltkarte, ein „Oh“, sein Finger fährt unsere Strecke, findet China und lächelt stolz. Er sagt den Namen seines Dorfes und strahlt. Dann reicht er mir die Karte fast ehrfürchtig mit beiden Händen haltend wieder zurück. Ich mache eine abwehrende Geste und weise auf ihn. Sein Mund bleibt weit offen stehen, seine Augen sind groß – ja, es war dieser Klischeegesichtsausdruck des sich vergessenden Staunens. Dann weist er auf seine Brust, fragend, nickend, lächelnd und drückt die Karte an sich. Ich glaube ich musste mich in diesem Augenblick wirklich zusammennehmen um nicht vor Rührung feuchte Augen zu bekommen, reichte ihm die Hand und sagte Saijen, von dem wir unterdessen glauben, dass es so etwas wie „Aufwiedersehen“ heißt.

Zurück im Nebenzimmer kam gerade unser Essen, Nudeln mit Gemüse. Ich sagte Imke, es gebe keinen Kaffee. In diesem Moment kam der Ladenbesitzer in den Raum. Einigermaßen aufgeregt zupfte er an meinem Ärmel, ich sollte ihm wieder zurück in seinen Laden folgen. Aha, also hat er doch nochmal nachgesehen und Kaffee gefunden. Nein das war nicht der Fall. Er führte mich zur Kasse und wies auf die Wand hinter seinem Stuhl. Dort in der Mitte hing unsere Karte, für alle zukünftigen Kunden auf Augenhöhe sichtbar. Er schaute versonnen lächelnd die Karte an, dann schaute er mich an. Dann schob er mich wieder zurück in den Nachbarraum zu meinem Essen und setzte sich an den Nachbartisch, uns zugewandt. Während des gesamten Essens aufmunternd nickend, als wolle er sagen: Ja, ihr seid hungrig, jetzt esst euch satt. Das ist gut so. Und noch ein Stäbchen voll und dann noch eins und die gute Soße bitte ausschlürfen – aufmunternd immer weiter nickend.

Nach dem Essen zeigten wir unser Fotobuch mit Bildern aus der Heimat und von unseren Familien der Köchin, ihrer Tochter und dem Ladenbesitzer. Gebannte stille, staunende Aufmerksamkeit. Die Ereignisse kamen ins Rollen, als wir das Bild von meinem Bruder, seiner mongolischen Frau und ihrem Sohn aufschlugen, gefolgt von Bildern, die uns in mongolischer Kleidung vor der Jurte der Familie meiner Schwägerin zeigten. Jetzt war die Aufregung riesig. Wir wussten nicht was los war – vielleicht freuten sie sich, denn auch hier wurde teils in Jurten gelebt, wurde geritten und gemolken, so wie es auf den Bildern zu sehen war. Immer wieder fiel das Wort „Mongolia“, ich bestätigte und lächelte erfreut. Dass die sich so darüber freuen, das ist ja süß. Diese Freude allerdings sollte für uns tagesverändernde Folgen haben. Das war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

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Der Ladenbesitzer griff wieder zum Telefon. Das Wort „Kaffee“ kam nicht mehr vor, dafür aber dutzendfach das Wort „Mongolia“. Mehrere Telefonate wurden geführt. Wir wussten: Jetzt geht was. Das ist übrigens auch eine Standardsituation auf unserer Reise. Wir merken, Dinge kommen ins Rollen. Wir spüren schnell, ob das eher gut oder eher unangenehm für uns werden könnte. Was genau allerdings abgeht, davon haben wir keine Ahnung. In der Regel ist unser Tendenzgefühl ganz passend und dementsprechend entscheiden wir schon auch mal, dass wir uns jetzt etwas zügiger verabschieden (außer es ist die chinesische Polizei, bei der das leider nicht geht). In diesem Fall grinsten wir uns gegenseitig wissend an und zuckten synchron mit den Schultern. Wir lehnten uns auf den unbequemen kleinen Holzstühlchen zurück. Jetzt satt, draußen der Nieselregen und Grau: „Mal schauen, was jetzt so passiert“ sagte unsere stille zufriedene Übereinkunft. Und es passierte was!

Allerdings zuerst weniger angenehm als wir dachten: Es fuhr ein Polizeijeep vor. Zwei Militärparkatypen mit chinesischen Hoheitsabzeichen stiegen aus und leider leider kamen sie direkt zu uns herein und wendeten sich an uns. Ach nee, nicht hier in diesem hinterletzten Drecksdorf! Hier gibt es doch noch nicht mal einen richtigen Checkpoint und am Polizeicontainer (das war ja noch nicht mal ein Legohäuschen) haben wir uns doch erfolgreich im Schatten des vorbeischleichenden Betonmischers durchgemogelt. Mist! Schlammpiste, Kälte, Nieselregen, kein Kaffee, aber Polizei. Wir merkten, dass die Polizeiarbeit der letzten Wochen an unseren Nerven gefressen hatte.

Aber unsere Enttäuschung wurde weggewischt durch eine bärenhaft herzliche Umarmung von den beiden Parkaträgern. Wir waren in unserer Weltkenntnis erschüttert und wussten nicht was geschieht. Schulterklopfen, laute Unterhaltung, Nicken, Lachen erfüllte den unterdessen gar nicht mehr kühlen Raum. Immer wieder das Wort „Mongolia“. Passend dazu auch mindestens eine ordentliche Wodkafahne, die im Raum schwebte. Polizeijeep und das hier passte irgendwie nicht zusammen. Auch die Begrüßung war ganz und gar nicht chinaüblich. Was soll das? Mir dämmerte erst langsam und dann wurde mir mit einem Mal klar. Ich hätte es schon immer sehen können: Man muss den Menschen ins Gesicht blicken, offen, vorbehaltlos, zugewandt. Naklar! Das sind Mongolen! Wir sind in Xinjiang, einem ethnischen Völkergemisch aus Uiguren, Han, Hui, Kasachen, Kirgisen und eben Mongolen!

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Ein Jeep mit Schafen auf der Ladefläche fuhr in diesem Moment fast durch die Glastür. Vier weitere Männer kamen hereingestürmt. Sie brachten einen satten Schafsgeruch mit, der sich gut mit dem Wodka vertrug. Umarmungen und Schulterklopfen. Lachen und laute Unterhaltung. Die zwei „Polizisten“ hatten vom Ladenbesitzer längst unsere gesamte Geschichte erzählt bekommen, mit Stolz vorgetragen, denn er war ja in dieser spektakulären Angelegenheit erstberichtender Augenzeuge und Betroffener. Jetzt multiplizierte sich unsere Lebensgeschichte, denn die „Polizisten“ erzählten alles, inklusive Länderaufzählung unserer Route den neu Dazugekommenen. Das kleine Mädchen hatte von uns unterdessen auch eine Karte erhalten und die bärenhaften Männer umringten staunend unser Bild auf der Dankeskarte. Der Raum war jetzt voll mit Mongolen und die Temperatur war von kühl über warm zu schwülheiß gewechselt. Wodka? Mehr Essen? Neindanke, wir müssen noch über den Pass heute. Mit den Fahrrädern? Kopfschütteln. Laute Diskussion. Aufkeinenfall. Mit schwieligen großen Händen und allen zur Verfügung stehenden Gesichtsmuskeln wurden hohe Berge in die Luft des Zimmers gezeichnet, grimmiges Schneetreiben simuliert und weite Steppe, große Anstrengung. All das wurde mit einem Wisch schräg hinauf zur Zimmerdecke verneint: „Auf gar keinen Fall werdet Ihr mit dem Fahrrad heute über den Pass fahren! In so ein unwürdiges Unternehmen Euch zu entlassen, können wir nicht übers Herz bringen! Ihr seid doch auch Mongolen! Mongolen fahren nicht mit dem Fahrrad durch die Steppe, über die Berge! Außerdem ist dahinter die Gobi!“ Wir verstanden kein Wort, wussten aber ganz sicher, dass dies die kurze und pathetische Rede des Wortführers war. Wir waren uneinsichtig, wischten die Gobi aus dem Handgelenk heraus weg, bedeuteten, dass wir Berge nicht fürchten und versuchten vorzuspielen, dass die Räder unsere Pferde sind. Beim Letzten bin ich mir nicht sicher, ob es verstanden wurde. Vielleicht wurde es verstanden, konnte aber ob seiner Absurdität nicht nachvollzogen werden.

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Laute Diskussion füllte wieder den Raum. Jetzt wurde entschieden. Wir waren daran nicht beteiligt. Stille – alle wendeten sich mir zu. Das war Männersache. Der Wortführer trat unter ermunterndem freundlichen Nicken aller auf mich zu, packte mich an den Schultern und riss mich von meinem Sitz hoch, Schulterklopfen und zur Tür Rausschieben. Es war unterdessen, nach mehreren Versuchen im Verlauf der vergangenen Stunde, klar, dass wir weder Mongolisch sprachen, noch es verstanden. Also musste gehandelt werden. Ich wurde zum Polizeijeep geschoben. Ach Mist, den hatte ich ja ganz vergessen. Leute, alles mit Polizei ist eine schlechte Idee! Es wurde auf die Ladefläche gewiesen, denn der Jeep war ein Pickup. Aha, sie wollten uns verladen. Dann wurde in Richtung Pass gewiesen, der Berg in die Luft gemalt. Allesklar, sie wollen uns im Polizeijeep über den Pass fahren. Es sind noch 15 Kilometer und 600 Höhenmeter bis zum Gipfel. Eigentlich ist unsere Devise „No Taxi“, aber ich schaute zu Imke hinüber, die uns nach draußen gefolgt war. Sie strahlte und sah nickend immer wieder zum Polizeiauto hin, das ein großes Blaulicht und einen beeindruckenden Lautsprecher auf dem Dach hatte. Ich verstand. Die Mongolen waren meinem Blick gefolgt und verstanden auch, denn im nächsten Moment packten je vier Mann unsere Räder komplett mit Satteltaschen, und bevor ich noch zum vorsichtigen Umgang mahnen konnte, waren sie über die Seitenwände auf die dreckige Ladefläche gewuchtet. Anerkennend nickten selbst die Bärenhaften über das Gesamtgewicht der Räder, dann ein belustigter Griff an meinen Bizeps, ein Kopfschütteln.

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Bevor wir abfuhren, mussten wir aber erst noch Fotos machen. Die oberflächlich grobschlächtigen Parkaträger zeigten sich in der Wahl des Hintergrunds für ihre Erinnerungsfotos allerdings ästhetisch sehr empfindsam. Es sollten weder die dreckige Dorfstraße, noch der Schrottplatz des Automechanikers, noch die Schafseingeweide auf den Bildern zu sehen sein. Auch nicht die Chinafahnen, die an den absurd modernen Straßenlampen hingen. Auf gar keinen Fall die Chinafahnen. Im Hintergrund sollten die Schneegipfel zu sehen sein und die unberührte Wiese. Wir stapften dafür über scharfkantigen Metallschrott, durch Tiereingeweide und tiefen Matsch. Eine Viertelstunde Fototermin. Bei einem Dutzend Menschen, von denen jeder in unterschiedlichen Konstellationen auf jedem Handy der Anwesenden in unterschiedlichen Haltungen und Gesten fotografiert werden sollte, dauert das schon seine Zeit. Ich hatte währenddessen Muße zu überlegen, wo die Polizisten zum Polizeiauto wohl steckten, denn die beiden Mongolen, die damit angefahren kamen, waren garantiert keine Polizisten der Volksrepublik China. Aber wenn sie keine Polizisten waren, warum fuhren sie dann in einem offiziellen Polizeiauto durch die Gegend? Ich dachte nach. Mir fielen nur zwei Möglichkeiten ein: Entweder sie hatten sich den Polizeijeep ausgeliehen oder sie hatten ihn „ausgeliehen“. Zumindest der Beifahrer war so stockbesoffen, dass ich mir den Ausleihvorgang bei den unserer Erfahrung nach eher wenig lockeren chinesischen Polizisten nicht gut vorstellen konnte. Ich schaute zum Polizeiauto rüber, auf dem jetzt unsere Räder verladen waren. Wir hatten seit fast zehn Tagen nicht mehr im Hotel übernachtet, geschweige denn uns irgendwo offiziell registriert. Beides war vorschriftswidrig. Jetzt würden wir gleich in einem „ausgeliehenen“ Polizeiauto von Mongolen über den Pass gefahren werden. Welche dieser Sachverhalte würde die echten Vertreter der Polizeikräfte wohl mehr gegen uns aufbringen? Ich wurde aus meinen Überlegungen gerissen, weil die Fotosession jetzt zu Ende war. Wir stapften durch die Gedärme und den Schlamm zurück zum Jeep. Schulterklopfen, Umarmung, Lachen, Witze, die ich nicht verstand und sich vermutlich auf „ausgeliehene“ Polizeiautos bezogen. Dann saßen wir drin, alle winkten und wir fuhren los.

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Es täuscht sich, wer denkt, jetzt wäre Ruhe eingekehrt. Wir waren noch nicht aus dem Dorf raus, da schaltete unser Beifahrer die Sirene ein. Die Lehmhütten blitzten im dämmrigen Tageslicht vom Blau des Signallichts wieder. Beide Mongolen, der eher stillere Fahrer und der sehr fröhliche Wodkamann, krümmten sich vor Lachen. Nein, unterdessen war ich mir ganz sicher, die beiden sind garantiert keine Polizisten. Ich vermute sogar, dass sie vorher noch nie in einem Polizeiauto saßen, zumindest nicht vorne. Denn jetzt fingen sie amüsiert an, alle Schalter auszuprobieren, die es in der Mittelkonsole und am Armaturenbrett gab. Ich war unterdessen über die Schwelle hinweg, in der ich mir noch ausmalte, was passieren würde, wenn die richtigen Polizisten durch den Klang ihrer eigenen Sirene aus dem Mittagsschlaf geweckt würden. Auf unserer Reise hatten wir auch gelernt, wann Auflehnung gegen das Unausweichliche besser in einen ruhig amüsierten Fatalismus münden sollte. Ich schaute Imke an und freute mich an ihrer Begeisterung fürs Geschehen. Unterdessen hatte unser Beifahrer den Schalter fürs Megaphon auf dem Dach entdeckt und brüllte seine lustigen Kommentare in die Weite der Steppe, die Hirten am Rand der Straße alle mit Namen anredend. Deren verblüffte Reaktion brachte ihn so sehr zum Lachen, dass bald alle Scheiben des Jeeps beschlagen waren, vermutlich von kondensiertem Wodka. Unser Fahrer probierte währenddessen den Allradantrieb aus und bretterte mit rund 100 Stundenkilometern durch die Baustellenabschnitte und gluckste vor Freude, jedes Mal, wenn eine seegroße Wassersenke durchquert wurde und wir für Sekunden im Aquaplaningflug abhoben. Dann der nächste Nomade mit Herde, die nächste Megaphonansage, eingeleitet durch Sirene und Blaulicht, brüllendes Gelächter.

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Ich war erleichtert, dass außer uns fast kein Verkehr auf der Straße war. Die wenigen Autos, die am Horizont erschienen, wurden mit Blaulicht und Sirene vorsorglich von der Straße gefegt, brüllendes Gelächter. Dann waren wir oben am Pass. Bei den Gebetsfahnen hielten wir an. Wie ausgetauschte Persönlichkeiten stiegen unsere beiden Mongolen aus und umrundeten jetzt das Heiligtum, sorgfältig schreitend im Uhrzeigersinn. Dann dreimaliges Niederwerfen und Gebet. Würdevoll stilles Schreiten zurück zum Auto. Dann weiter mit Blaulicht, Sirene und Megaphonansagen, brüllendes Gelächter. Ich glaube, sie hätten uns auch wieder ganz runter vom Pass weit hinein in die Gobi gefahren, so viel Spaß hatten die beiden, wenn wir nicht schließlich bedeutet hätten, dass sie uns auch gerne hier schon rauslassen könnten. Gutgelauntes Abladen der Räder, herzliche Verabschiedung, nein, auf gar kein Fall wollten sie Geld für diesen Spaß annehmen, eher machten sie den Eindruck, als wollten sie schnell wieder zurück zum Spielen. Und so war es auch: Schon beim Wenden, fröhliche Megaphonansage nochmal an uns zum Abschied mit Blaulicht. Ab mit Sirene, allerdings nur 500 Meter. Dort trafen sie einen Nomadenkollegen mit Kleinlaster – sie unterhielten sich mit ihm, die komplette Fernstraße blockierend, über Megaphon. Als Warnung an alle anderen Fahrer blieben Sirene und Blaulicht natürlich eingeschaltet. Ach, wir wussten es ja eigentlich schon immer: Die Mongolen wissen das Leben in der Steppe mit Esprit zu nehmen!

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China – erste Eindrücke

China – erste Eindrücke

Am 1. September sind wir von Kasachstan aus nach China eingereist. Seitdem wundern wir uns jeden Tag, dass wir tatsächlich mit dem Fahrrad hierher gefahren sind. Nicht nur weil China recht weit weg ist, von Süddeutschland aus gesehen, sondern weil wir mit dem Grenzübertritt die Region Zentralasien mit den Stanstaaten Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan, in denen wir jetzt drei Monate unterwegs waren, verlassen haben. China ist im Vergleich dazu nicht nur ein neues Land, sondern eine ganz andere Welt. Und wir sind Fremdkörper in dieser Welt.

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Wir merken, dass jeweils beim Eingewöhnen in ein neues Land wir uns neu einstellen müssen auf Dutzende, vielleicht eher Hunderte neue Bedingungen. Wir sind unterdessen so sehr daran gewöhnt uns auf Neues einzustellen, dass wir schon nach wenigen Tagen nicht mehr merken, was alles exotisch und anders ist als bisher. Vieles bleibt befremdlich, aber manches ist einfach in unseren Alltag so sehr schon bald integriert, dass wir es nicht mehr bewusst als befremdlich wahrnehmen. Auch deswegen wollen wir Euch mal ein paar Sachen aufzählen, die uns in den ersten Tagen hier in China aufgefallen sind.

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Wir sind wieder Analphabeten. Außer Zahlen können wir rein gar nichts lesen, nicht auf Straßenschildern, nicht auf Gebäuden, nicht auf Packungen… Ah, das hat uns sofort angesprochen und diese Sprache verstehen wir nach drei Monaten Stanstaaten sehr gut: STOP HUNGER!

Wir fahren über die Grenze und müssen unsere Uhr zwei Stunden voraus stellen. Es wird jetzt erst gegen 8 Uhr morgens hell und die Sonne geht erst nach 22 Uhr unter. Warum haben wir mit einem Mal zwei Stunden übersprungen? In ganz China gilt die Pekinger Normalzeitzone. Das bedeutet, dass im äußersten Westen des Landes dieselbe Zeit gilt, die auch in Peking dem Sonnenstand nach sinnvoll ist. Allerdings ist China so groß, dass das für die Region, in der wir uns jetzt befinden, nicht besonders sinnvoll ist. Folge davon: der Sonnenstand und die Zeit passen nicht wirklich gut zueinander hier. Die Chinesen hier haben sich damit arrangiert, und so beginnt das Leben morgens erst um 8 Uhr, vorher sind die Straßen leer. Abends wird einfach länger wach geblieben und erst so gegen 22 Uhr Abendessen anvisiert. Imke hat bei unserem ersten Hotelaufenthalt auf das Frühstück, das nach Pekingzeit ab 7 Uhr, hier aber eine Stunde vor Sonnenaufgang serviert wurde, dankend verzichtet.

Uns erscheint das Leben nach der Pekingzeit nach den Eindrücken der ersten Tage ein recht gutes Beispiel für den rigorosen Zentralismus, der hier im Land teilweise betrieben wird. Besonders betroffen sind davon die beiden westlichen Provinzen, Tibet und die Autonome Region Xinjiang, in der wir uns gerade aufhalten.

Imke sucht noch das richtige Getränk zu ihrem aktuellen Beziehungsstatus. Aber was steht da wohl auf der Verpackung? Ein Getränk für rosaglückliche Beziehung und ein Getränk für krisengeschüttelte "Wir packen das gemeinsam"-Beziehung? Sicher ist nur eines: Beide haben 0 Kalorien.
Imke sucht noch das richtige Getränk zu ihrem aktuellen Beziehungsstatus. Aber was steht da wohl auf der Verpackung? Ein Getränk für rosaglückliche Beziehung und ein Getränk für krisengeschüttelte „Wir packen das gemeinsam“-Beziehung? Sicher ist nur eines: Beide haben 0 Kalorien.

In den Stanstaaten hatten wir uns an das kyrillische Alphabet gewöhnt und konnten die wichtigsten Angelegenheiten auch auf Russisch regeln. Hier in China ist vom ersten Schritt an nichts mehr verständlich: Staßenwegweiser, Aufschriften von Verpackungen in Supermärkten, Speisekarten, Warnhinweise, Beschriftungen von Gebäuden – wir müssen raten, sind auf Bilder angewiesen, müssen alles mit Landkarten abgleichen oder jemanden fragen. Aber nein, jemanden fragen geht auch nicht, denn hier spricht niemand Englisch. Das hat zur Folge, dass wir mit wirklich niemand sprechen können, denn bisher beschränkt sich unser Chinesisch auf „Guten Tag“, „Deutschland“, „Ja“, „Nein“, „Danke“, „Auf Wiedersehen“ und „Wasser“ (Shui!). Und selbst diese sieben Worte sprechen wir im besten Fall beim dritten Versuch so aus, dass unser Gegenüber ein Verstehen andeutet – vielleicht auch nur aus Höflichkeit. Da auch nichts in Englisch angeschrieben ist, wozu auch, hier kommen normalerweise keine Touristen vorbei, sind wir jetzt plötzlich kommunikationstechnisch ins vorsprachliche Kleinkindalter zurückkatapultiert. Wir verständigen uns mit Gesten und viel weniger und viel erfolgloser als gedacht mit dem Google Translator vom Smartphone. Besonders letzterer versagt meistens. Er führt oft nur zur weiterer Ratlosigkeit und Belustigung auf beiden Seiten. Wir haben fast komplett aufgehört ihn zu benutzen außer es handelt sich um ganz einfache Worte wie „Wasser“, „heute“, „viel“.

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Speisekarte für uns unlesbar, bestellen wir einfach, was der Nachbartisch hat. Dann die Aufgabe Spaghetti mit Stäbchen essen: erledigt! Stolz!

Die Chinesen können ihrerseits gar nicht begreifen, dass jemand nicht Chinesisch sprechen kann. Daraus ergeben sich sehr abstruse Situationen. Meist reden sie so beharrlich auf uns in ihrer Sprache ein, versuchen es mit lauterer Stimme oder kommen mit ihrem Gesicht ganz nah an unseres, dass wir unsere Seite des Gesprächs einfach nach Vermutung auf Deutsch weiterführen. Das muss sich von außen lustig anhören, ist aber ein Zeichen von fortgeschrittener Ratlosigkeit. Wie sollen wir anders klar machen, dass wir kein Chinesisch sprechen oder verstehen? Erst nach einigen Minuten Gespräch geht unserem Gegenüber dann auf, dass irgendwie eine Sprachbarriere bestehen muss. Dann spätestens wird es interessant. Nicht nur einmal kam es bisher vor, dass unser Gegenüber dann auf die Idee kam, uns seine Mitteilung aufzuschreiben – auf Chinesisch! Wir glauben dann an den Gesichtern ablesen zu können, was dazu gedacht wird: „Natürlich weiß ich, dass ihr Langnasen keine Chinesen seid, aber es kann doch nicht sein, dass ihr kein Chinesisch versteht, das kann doch jedes Kind. Na vielleicht könnt ihr wenigstens lesen…“ Und so bleibt manches Gespräch auf immer unverständlich und endet mit einem lächelnden Schulterzucken.

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Speisekarte nicht lesbar? Kein Nachbartisch zum Draufzeigen? Ganz einfach in die Küche gehen und auf die Töpfe zeigen! Die Geste, wie man Nudeln macht, beherrschen wir unterdessen so perfekt, dass die Leute auf der Straße uns zur nächsten Garküche geleiten.

Trotzdem sind die meisten Menschen hier wirklich freundlich zu uns und sehr hilfsbereit. Das ist im Vergleich zu Kirgistan und Kasachstan, die uns in dieser Hinsicht etwas frustriert hatten, wieder besser geworden. Auch die Sprache der Straße gefällt uns sehr gut. Nach drei Monaten katastrophalem Straßenbelag bewegen wir uns jetzt auf Flüsterasphalt. Das ist wie ein Fünfsterne-Spa für die Ohren im Vergleich zu den Stanstaaten. Und dabei sagt man von China es sei so laut. Und der Rollwiderstand im Vergleich zu den Schotterpisten Zentralasiens – wir merkten erst in den letzten Tagen, wie leicht sich doch 100 oder mehr Kilometer am Tag fahren, wenn man auf Asphalt fährt. Außerdem fahren die Chinesen richtig rücksichtsvoll und vor allem langsamer als die Kirgisen! Was für ein Genuss, hier auf einer befahrenen Schnellstraße unterwegs zu sein – so erholsam wie ein Waldspaziergang!

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Gerade dachten wir noch, wir würden in diesem Hotel schlafen können und die Hotelangestellten machen noch Erinnerungsfotos. Wenige Minuten danach kam das SWAT-Team der Polizei und die stundenlange Prozedur Touristenbearbeiten begann.

Was kann uns stoppen?

Was kann uns noch stoppen? Seit Monaten, vielleicht seit dem ganzen vergangenen Jahr, liegen zum ersten Mal keine ernstzunehmenden Berge auf unserem Weg, zumindest die ersten 400 Kilometer nicht (ab morgen kommen wieder die 3000er Pässe der letzten Tien-Shan-Ausläufer). Der Asphalt rollt, der Wind ist gnädig, die Temperaturen stimmen. Wir machen China in weniger als drei Monaten, dachten wir angesichts der Geschwindigkeit, die wir täglich hinlegen und der Kilometer, die wir fressen. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass uns etwas ganz anderes erheblich bremsen könnte. Sogar grundsätzlich bedrohlich für unser Vorankommen hier in China könnte es werden: Die absurde Totalüberwachung durch den chinesischen Staat.

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Schon lange haben wir uns darauf gefreut: die guten eingeschweißten Hühnerfüße!

Wir befinden uns in der Provinz Xinjiang, die erst spät zum Territorium von China dazu kam. 1949 wurde die Provinz eingegliedert und hat seither einen enormen Wandel durchgemacht. Ähnlich Tibet, leben hier die einheimischen Ethnien unter einem starken Anpassungs- und Überwachungsdruck. Die Uiguren, die hier ursprünglich die Bevölkerungsmehrheit stellten, werden zunehmend von angesiedelten Han-Chinesen verdrängt. Dabei sind es vor allem letzte, die vom Reichtum der Bodenschätze der Region profitieren. Die Uiguren sind Muslime. Der chinesische Staat unterdrückt allerdings die Ausübung von Religion grundsätzlich. Gleichzeitig fühlen sich die Uiguren von der Regierung in der Bewahrung ihrer Kultur behindert. All dies führt schon seit längerer Zeit zu Konflikten und eskalierte in den letzten Jahren in Gewalt. Als es in den letzten Jahren zu Anschlägen in der Region kam, die mit den Uiguren in Verbindung gebracht werden konnten, reagierte die Regierung in Peking mit Härte und zusätzlicher Repression. China versucht die Unruhe durch totale Überwachung in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig aber verordnet Peking Maßnahmen, die in ihrer Rigidität zu neuer Eskalation führen müssen. Den Muslimen wurde zum Beispiel vor kurzem verboten ihre Kinder „Mohammed“ als Vornamen zu geben und sie in den Koranunterricht zu schicken.

Wir spüren vor allem die Maßnahmen der unvorstellbaren Überwachung. In den größeren Städten befindet sich alle 200 Meter ein Polizeibunker, umzäunt und gesichert. An wirklich jeder Kreuzung steht ein Polizeiwagen mit Blaulicht, davor drei Polizisten in einer Art „Wagenburg-Formation“, ganz in schwarz, in Riot-Gear: kugelsichere Westen, Helme, Schutzschilde. Der in der Mitte ein Schnellfeuergewehr im Anschlag, rechts und links von ihm zwei mit etwas, das aussieht wie eine zwei Meter lange Kombination aus Schlagstock, Elektroschocker und Lanze.

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Sehen immer wie harmlose Legohäuschen aus, wir haben sie aber schon fürchten gelernt. Alle 200 Meter ein Polizeibunker.

Uns fällt auf, dass nicht nur öffentliche Gebäude und Schulen, sondern auch die Tankstellen abgesperrt sind wie Hochsicherheitsanlagen. Umzäunung, Stacheldraht, davor ein Polizeiposten, Sicherheitskontrolle. Wenn jemand tanken will, müssen alle Insassen aussteigen und vor der Tankstelle warten. Das Auto wird durchsucht, der Fahrer wird kontrolliert und muss sich in eine Liste eintragen. Erst dann darf er zur Zapfsäule vorfahren.

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Wir durften nicht mit unseren Rädern durch die Sicherheitskontrolle an der Tanke, geschweige denn unsere Literflasche Benzin füllen – wir könnten ja eine Bombe daraus basteln. Aber Foto mit den exotischen Touristen muss auf jeden Fall sein.

Für uns ist das Fahren durch die Städte  und Dörfer begleitet von ambivalenten Gefühlen: Einerseits sind wir neugierig und wissbegierig, alles zu beobachten und über das Leben in China zu lernen. Manchmal kommen wir uns vor wie in einem Computerspiel. Meistens ist die Stimmung aber auch einfach nur bedrückend und ein wenig angsteinflößend.

Vor jedem kleinen Dorf ist ein Polizeicheckpoint. Schade, dass wir keine Fotos davon machen dürfen. Das sieht so aus: Wie in einer Mautstelle werden alle Fahrzeuge mit Betonblöcken in Fahrspuren getrennt. Jedes Auto muss anhalten und die Insassen bis auf den Fahrer müssen aussteigen. Ganze Busse entleeren sich und die Insassen gehen durch Personenscanner und müssen ihren elektronischen Ausweis an einer Barriere über einen Scanner ziehen, damit das Drehkreuz sie durchlässt. Die Autos werden dann durchsucht und Koffer der Reisenden wie am Flughafen durchleuchtet. Dies geschieht an allen Einfallstraßen und nicht nur vor Städten. Wir sind leider immer ein Sonderfall und im System eigentlich nicht vorgesehen. Das ist schlecht für uns, denn wenn ein chinesischer Polizeibeamter nicht klare Vorschriften hat, wie er mit uns zu verfahren hat, bekommt er Angst. Unterdessen verstehen wir gut, warum er zurecht Angst bekommt, denn diese Angst sehen wir in vielen Augen von Chinesen, die es plötzlich mit uns zu tun haben. Die Angst einen Fehler zu begehen, der für sie lebensverändernde Bestrafung durch die Regierung zur Folge haben könnte. Angst verantwortlich gemacht zu werden, dass nicht vorschriftsgemäß verfahren wurde mit den potentiell die öffentliche Ordnung und Staatssicherheit gefährdenden Touristen, schlimmer noch Individualtouristen!

Was tut der Polizist also, der nicht weiß was tun und Angst hat? Er verständigt seinen Vorgesetzten. Er schildert den Sachverhalt und wartet. Wir warten. Dann kommt der Vorgesetzte, stellt uns scharf Fragen. Wir lächeln und reichen unsere Pässe, denn natürlich verstehen wir rein gar nichts vom Gesagten. Auch er wird uns nicht verstehen – kein Polizist den wir bisher gesprochen haben – und es waren leider innerhalb einer Woche schon sehr viele – konnte English. Dennoch wird dann meistens ein Polizeidolmetscher angefordert. Wir warten, zeigen den Pass mindestens noch drei weiteren Beamten, die sich aus purer Langeweile die Langnasen ansehen wollen und sind dabei umringt von schwerbewaffneten Splitterschutzwestenträgern. Die allerdings sind das Fußvolk und werden von niemandem beachtet. Ohne mit den chinesischen Abzeichen vertraut zu sein wissen wir unterdessen: der Dickste ist immer der Chef.

Dann kommt der Dolmetscher. Wir freuen uns, gleich kann es also weitergehen – denken wir. Der Dolmetscher kann aber auch kein Englisch, er weiß es nur nicht. Wir versuchen angestrengt zu enträtseln, was er uns sagt, können aber aus dem Gesagten keinen Sinn erpuzzeln. Das stellt uns wiederum vor eine schwierige Aufgabe: Wir sollten die Jungs möglich bei Laune halten und das funktioniert sicher ganz schlecht, wenn wir erstmal den Dolmetscher mit der Tatsache konfrontieren, dass er ungeeignet für seinen Job ist. Also versuchen wir zu erraten, was gemeint sein könnte. Das ist zwar ganz unmöglich, praktisch aber nicht schwer zu lösen. Wir sagen einfach irgendetwas auf Englisch, denn wir können uns sicher sein, dass auch der Dolmetscher uns wiederum nicht versteht. Da er aber vor seinem Vorgesetzten das Gesicht nicht verlieren möchte übersetzt er uns in astreines Chinesisch. Der Vorgesetzte nickt, sagt wieder etwas, der Dolmetscher übersetzt, wir verstehen rein gar nichts, sagen höflich lächeln wieder völligen Quatsch usw. usf. etc. pp. Entscheidend bei dieser Unterhaltung ist, zu erspüren, wann der Pass überreicht werden muss – und das muss er sehr oft. In der Regel scheint jeder Polizist unsere Pässe durchschnittlich viermal akribisch durchschauen zu wollen. Zwei bis dreimal pro Kontakt wird er dann abfotografiert mit dem Handy oder, wenn wir unterdessen auf die Polizeiwache eskortiert wurden, mit dem Kopierer bearbeitet. Die dort Wachhabenden sind dann meist so nervös über den Touristenkontakt, dass wir einmal in letzter Sekunde den Pass aus dem Eingabeschlitz des Druckers reißen mussten, in den der Beamte unseren Pass gesteckt hat.

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Jede Tankstelle ist gesichert wie ein Munitionsdepot.

Unterdessen sind eineinhalb Stunden vergangen und es gibt noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Denn der Vorgesetzte hat natürlich auch keine Ahnung, wie er mit uns vorschriftsmäßig zu verfahren hat. Es werden also, wie im Tierreich Übersprungshandlungen und Ersatzaktivitäten entfaltet. Wir werden zum Tee eingeladen, Gebäck wird angeboten, übel süße chinesische Erfrischungsgetränke aus dem nächsten Laden überreicht. Wenn die Stimmung etwas autoritärer sein soll, dann werden wir nebenbei auch schon mal belehrt, dass wir uns alle 24 Stunden an einem Checkpoint zu registrieren haben. Das ist Vorschrift für Touristen. Uns wird gedroht, dass unsere Reise sonst beendet werden könnte. Woher wir das erfahren? – die chinesische Polizei scheint eine Art Google Übersetzer auf den Smartphones zu haben, die chinesische Gesetzestexte in ganz annehmbares Englisch übersetzten. Google Translator ist natürlich von der Zensur gesperrt in China. Wäre vielleicht für uns hilfreich, um ihnen zu sagen, dass wir uns täglich dreimal an Checkpoints registrieren – aber da lassen wir das Smartphone lieber stecken. Es würde verraten, dass wir eine VPN installiert hätten, um die Zensur zu umgehen. Also reden wir mit dem Dolmetscher, sagen wir, unsere Gefühle der Absurdität und der endenden Geduld unterdrückend, dass wir uns nicht nur alle 24 Stunden, sondern mehrmals täglich registrieren lassen. Da wir ja den ganzen Tag auf der Straße unterwegs seien, können wir ja gar nicht anders, er könne das ja nachprüfen, wir nennen ihm die Dörfer, durch die wir heute schon an Checkpoints kontrolliert wurden. Er versteht uns nicht, schließt aus der langen Rede, dass wir widerspenstig sind und wiederholt jetzt in schärferem Tonfall, dass wir uns alle 24 Stunden registrieren müssen, weil das das chinesische Gesetz vorschreibt. Er belehrt uns – alles mithilfe seines Smartphones, dass wir sonst ausgewiesen werden könnten. Interessanterweise scheinen seine Vorgesetzten nicht zu merken, dass er sich mit uns nur über das Smartphone verständlich machen kann. Die drei Maschinengewehrtypen und der dicke Chef sind auch gelangweilt, weil die Szene gesprächslastig wird und die Handlung verloren geht. Also wirft der Chef etwas ein, sich an uns wendend. Unterdessen geschult in dieser Situation, wissen wir, dass es jetzt wieder an der Zeit ist, den Pass freundlich lächelnd zu überreichen. Wir schlagen unterdessen auch gleich das Chinavisum auf – denn dort finden die Augen des Chefs chinesische Schriftzeichen, an denen sie sich festhalten können. Allerdings wittert er – auch schon uns nicht mehr überraschend – vermutlich, dass wir damit etwas anderes im Pass verbergen wollen und blättert wild und gleichzeitig akribisch den ganzen 36-seitigen Reisepass durch. Er ist leer, bis auf den kasachischen Ausreisestempel und das USA-Visum. Aha, das USA-Visum, es wird gedreht, gewendet, das Lichtbild mit unserem gegenwärtigen verschwitzten, sonnengegerbten, müden Gesicht verglichen, wieder gewendet und weil nichts verstanden wird, abfotografiert. Das Chinavisum ist in unserem Drittpass, den wir nach dem USA-Aufenthalt zu Hause gelassen haben. Was würde wohl geschehen, wenn der Chief hier erfahren würde, dass in den Tiefen unserer Satteltaschen jeweils zwei weitere Pässe liegen mit jeder Menge Stempeln und Visa. Wir denken nicht dran und wollen es nie, nie erfahren.

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Selten hat sich jemand so über unsere Dankeskarte gefreut. Er konnte es kaum fassen, dass er die wirklich behalten darf.

Und jetzt kommt, was in einer Erzählung von Kafka hätte beschrieben werden können – das Dilemma des Vorgesetzten, der zurate gezogen wurde und auch nicht weiter weiß, das aber nicht zeigen darf, denn sonst wäre er ja nicht legitim Vorgesetzter. Was tut ein Staatsdiener in einem rigid hierarchischen System in diesem Fall? Er legt die vermuteten Vorschriften so eng wie möglich aus oder tut so, als wäre nichts gewesen. Der Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten ist für uns extrem groß. Es kam tatsächlich schon mal vor, dass wir nach über zwei Stunden Aufenthalt auf der Polizeiwache einfach die Pässe (unterdessen dreimal kopiert) einfach wieder in die Hand gedrückt bekamen und zurück auf die Straße geschickt wurden. Unterdessen ist natürlich zu viel Zeit vergangen, als dass wir unser Tagesziel noch vor Einbruch der Dämmerung erreichen könnten und wir sind etwas frustriert, jedoch glücklich wieder frei auf der Landstraße in den Abend zu fahren.

Das allerdings kommt nicht häufig vor. Eher scheint es üblich zu sein, dass sich ein verunsicherter chinesischer Beamter für die rigide Handhabung entscheidet. Dann wird, wieder mittels Dolmetscher (s.o.) gefragt, wo wir gestern übernachtet hätten. „Hinter dem Erdhaufen der kleinen Brücke der Autobahnbaustelle, ein super Platz, weil sichtgeschützt, eben und sicher, wenn auch wenig romantisch.“

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Unbürokratisch und nur scheinbar unromantisch: idealer, unbehelligter Schlafplatz an der Autobahnbaustelle. Hierfür ist in China keine Registrierung vorgesehen.

Das wäre die wahrheitsgemäße Antwort gewesen. Das wird natürlich kein Mensch, der einigermaßen bei Sinnen ist, einem chinesischen Beamten antworten. Daher unsere Antwort: „Im Hotel“. Natürlich wussten wir, dass jetzt nach Ort und Name des Hotels gefragt würde. Allerdings würde auch das noch einige Minuten dauern, wenn wir darauf bestünden, nur die Fragen zu beantworten, die wir sinngemäß vom Dolmetscher verstehen. Wir wissen aber auch schon, was die chinesische Frage des Vorgesetzten jetzt will und antworten gleich darauf. Was wiederum dazu führt, dass er zwischenzeitlich denkt, wir verstünden doch Chinesisch und in der Folge weiter ohne Dolmetscher auf Chinesisch auf uns einredet. Die Antwort von uns muss allerdings wieder übersetzt werden und so verschieben sich die Zeitebenen des Gesprächs, während wir immer voraus sind, ist der Chef mit seinen Fragen auf unserer Höhe, mit den Antworten, die er aber über den Dolmetscher erhält, immer zwei Gesprächsballwechsel hinterher. Das macht die Sache aber interessanterweise gar nicht absurder und unverständlicher, zeigt aber, auf wie enorme Ausmaße das Durcheinander zu diesem Zeitpunkt schon angewachsen ist. Unsere Antwort lautet nun natürlich: Wir wissen es nicht, weder den Ort, noch den Name des Hotels. Wir können ja kein Chinesisch. Da alles nur auf Chinesisch angeschrieben ist, sind wir in diesem Fall fein raus. Oder eben auch nicht. Denn zu diesem Zeitpunkt, wir befinden uns seit weit über zwei Stunden in diesem Paralleluniversum, würden wir auch ein Geständnis unterschreiben, um endlich wieder Ruhe auf der Landstraße zu finden. Jetzt wäre gleich wieder der Zeitpunkt. Immer dann, wenn das „Gespräch“ in eine Sackgasse geraten war, kam eine Gesetzesbelehrung, oder diesmal wurde wieder unser Pass verlangt. Ausführliches Blättern. Variante: Chief erhebt sich und geht mit den Pässen nach draußen. Als müsse er mit ihnen alleine sein, um den Fall zu lösen. Wir lehnen uns zurück. Sammeln Kraft, sehen die Sonne ihre Bahn ziehen, entfernen schwarze Ränder unter den Fingernägeln. Interessant auch, was machen die Polizeibeamten in den panzerverglasten Bunkern wirklich, wenn sie nicht Touristen verarbeiten? Wir beobachten, registrieren Topfpflanzen und versuchen uns an Typisierungen. Der Chief kehrt zurück. Er hat eine Entscheidung getroffen. Wir erwarten demütig das Urteil und nehmen eine virtuelle Muskelrelaxanztablette.

Er stellte uns eine Frage, wir hören den fragenden Ton und wissen, jetzt kommt etwas ganz Gewieftes. Der Dolmetscher übersetzt, wir verstehen todaynight. Naklar, diese Frage musste irgendwann kommen im Überwachungssystem. Wo wir heute Nacht schlafen? „Wir wissen es noch nicht, da hier ja alles eingezäuntes Kulturland ist, hat sich das schon in den letzten Tages etwas schwierig gestaltet. Wir werden wieder nach bergigem Terrain Ausschau halten. Es sollte zugänglich für uns sein, eine ebene Fläche fürs Zelt bieten, aber unbedingt sichtgeschützt von der Straße sein. Auf Google Maps (in China geblockt) hab ich in den Satellitenansicht heute morgen, als wir Internet hatten, gesehen, dass in 40 Kilometer etwas kommt, aber da es jetzt schon wieder gleich 17 Uhr ist und wir hier sicher noch länger sitzen, wird das sicher nichts. Wir werden schauen wie weit wir noch kommen und dann improvisieren.“ Meine wirkliche Antwort lautete: „Im Hotel“.

Ich wusste, dass ich damit in die Falle gegangen war – aber eine andere Antwort hätte zu noch schlimmeren Konsequenzen geführt. Wie aus der Pistole geschossen, ohne auf den verdutzten Dolmetscher zu warten redete der Chief. Jetzt wieder ganz in seinem inneren Gleichgewicht. Der Dolmetscher übersetzte, das Verstehen war schwierig und ich überspringe hier mehrere Minuten hin und her: Wir würden zum Hotel eskortiert, denn – und das wussten wir aus leidvoller Erfahrung schon – nur wenige Hotels in China dürfen ausländische Touristen beherbergen. Wir sahen schön öfter die bare Panik in den Augen der Rezeptionistinnen in Yining, als wir versuchten auf eigene Faust eine Unterkunft zu finden. Wieder die Angst, durch einen Fehler sich den Zorn der Verwaltung zuzuziehen und den mühsam erstrittenen Platz auf der kläglichen Karriereleiter als Hotelangestellte zu verwirken. Schlimmer als alles, was wir an Repression sahen, machten uns diese Panikreaktionen, die wir unisono beobachten konnten, das Ausmaß des Drucks oder der Unterdrückung hier in China klar. Nach einer Odyssee durch die Stadt konnten wir erst drei Stunden später ins teuerste Hotel damals in Yining einchecken. Ja, wir wussten, dass Hotelsuche nicht einfach ist. Darum schätzten wir ja so sehr die unromantischen Erdhügel, die unser Zelt so unbürokratisch behüteten.

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Der Manager des International Hotel in Yining wollte unbedingt ein Foto mit uns haben – auch wenn wir nicht in seinem Haus genächtigt hatten.

Sie würden uns zum Hotel eskortieren. Nein doch nicht eskortieren, das war wieder ein Übersetzungsproblem. Wir sollten mit dem Taxi dahin fahren. Das sei im übernächsten Dorf, 20 Kilometer von hier. Jetzt erlaubte ich mir einen kurze Pause für meine Beherrschtheit – ich würde nicht im Taxi fahren, auf keinen Fall, nur mit dem Fahrrad – und bereute sofort. Der Ton wechselte plötzlich ins Brüllen, Sondereinsatzpistolieros nahmen Habachtstellung ein und wir wurden erneut über die Gesetzeslage in China belehrt: Alle 24 Stunden auf der Polizeiwache registrieren! Nur in Hotels übernachten, die für Touristen erlaubt sind! Immer in Hotels übernachten! Alle 24 Stunden registrieren!

Ich holte Luft, zählte auf drei und zählte nochmal auf drei. OK, gut. Taxi, Hotel. Welches Hotel? Das wiederum wollten oder konnten sie uns nicht sagen. Wir wollten und konnten auch kein Taxi rufen – mit welcher Sprache auch, selbst wenn wir wüssten, wohin die Fahrt gehen sollte. Was sollen wir jetzt tun? Wir hatten uns alle im Zuge der Erhitzung des Gesprächs erhoben und nehmen jetzt ob dieser profunden Problemanalyse nochmal Platz. Imke schlägt vor, sie können uns doch mit dem Polizeiauto dahin fahren. Ich wundere mich. Steht sie auch kurz vor Kragenplatzen und möchte die Sache beschleunigen? Wir hatten uns schon länger darauf verabredet, uns in solchen Situation möglichst willenlos zu machen und auf gar keinen Fall Eigeninitiative zu entwickeln. Oder will sie nur Polizeiauto fahren? Wie sich später rausstellt das Letztere.

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Uigurisches Nan-Brot aus dem Holzofenschacht. Die für die Provinzverwaltung arbeitende junge Anwältin, die wir beim Mittagessen trafen, wollte uns das beste Brot der Stadt besorgen.

Ich verkürze hier. Der Plan der Polizei sah folgendermaßen aus: Sie würden für uns ein Auto anhalten, unsere Räder, das Gepäck und uns verstauen und den Fahrer dazu abkommandieren, uns ins Dorf mit dem Hotel zu fahren. Sie waren sich nicht ganz sicher, ob wir dort dann zur zuständigen Polizeiwache gefahren werden sollten – dann wären wir ja Mao sei Dank das Problem der anderen – oder ob wir gleich zum Hotel gefahren werden sollten. Wir hofften natürlich auf die zweite Möglichkeit, denn wir befürchteten, dass dann das Prozedere wieder von vorne beginnen würde. Die Polizisten verständigten sich länger und kamen zu unserer Überraschung zum Ergebnis, dass wir gleich zum Hotel gefahren werden sollten – wir wunderten uns, denn aus Erfahrung konnten wir schon folgern, dass es eigentlich immer den umständlicheren Weg ging. Also stellte sich der Chef an die Straße, um einen Uiguren mit Ladefläche dienstzuverpflichten. Es dauerte für einen Polizeistaat erstaunlich lange, bis ein Wagen gefunden wurde. Die Kooperationsbereitschaft der Uiguren schien hier in Xinjiang tatsächlich sehr gering zu sein. Ein Bauer wurde gezwungen, die Ladefläche, die gerade noch mit Ziegen belegt war zu räumen und alles wurde verstaut. Wir durften immerhin in der Fahrerkabine mitfahren. Es wurde uns bedeutet, dass wir auf der dortigen Polizeistation schon angekündigt seien. Das interessierte uns zwar nicht, sollte uns aber vermutlich die Illusion rauben, irgendwelche Auswege nehmen zu können. Sechs Schwerbewaffnete stellten also sicher, dass wir auch wirklich abfuhren. Der Uigure, der uns fuhr, machte die ganze Fahrt ein Gesicht, als hätte man einen Karton fauliger Eier auf seinem Beifahrersitz zerschlagen. Wir konnten ihn gut verstehen und hatten nach drei Stunden Polizeiarbeit auch ziemlich angefressene Nerven.

Naja, immerhin würde die lückenlose Polizeiüberwachung sicherstellen, dass wir jetzt zügig durch die Checkpoints kämen und dann endlich im Hotel duschen könnten – auch nicht schlecht. Aber dieser Gedanke stellte sich gleich beim Checkpoint als naiv heraus. Natürlich wurden wir angehalten, ein uigurischer Kleinlastwagenfahrer mit Fahrrädern und Touristen war im System der Checkpointpolizisten nicht vorgesehen. Und was macht ein chinesischer Polizeibeamter, wenn er nicht weiß was zu tun ist? … Er nimmt sich erstmal den Fahrer vor. Aussteigen, mit auf die Wache, Ausweiskontrolle, Diskussion, Telefonat; wir beobachteten alles aus dem Autofenster heraus, sicher, bald selbst wieder in Aktion treten zu dürfen. Der Fahrer kam zurück, eine weitere halbe Stunde war vergangen. Sein Gesichtsausdruck war noch finsterer geworden. Wortlos fuhr er ins Dorf hinein und parkte den Laster vor der Polizeistation. Er stieg aus, hielt inne, dann die erste Kontaktaufnahme zu uns: Er löste meinen Anschnallgurt mit dem Druck aufs rote Knöpfchen, sah mir resigniert in die Augen und schüttelte den Kopf. Es sollte wohl heißen: „Vergiss es, so schnell geht es hier nicht weiter.“

Wir warteten. Dann kam wieder ein beleibter Chef, diesmal gleich mit Dolmetscher. Passbesichtigung. Übersetzungsversuche, hoffnungslos. Wieder Passbeschau. Dann fährt ein Polizeijeep vor. Imke strahlt. Wir steigen ins Polizeiauto ein. Unser Gepäck und die Räder? Dortlassen! Jemand fehlt noch, wir können noch nicht losfahren. Wohin? Ich habe mein Hirn und meinen Willen erfolgreich zu einem Teigfladen meditiert. Es ist mir egal. Ich sitze auf dem Beifahrersitz, der Chef beugt sich über mich, brüllt aus dem Seitenfenster hinaus, rüber zur Polizeistation. Ich erwache aus der inneren Emigration, als Imke überraschend erfreut sagt: „Oh, guck mal“. Es steigt ein weiterer Polizist ein und nimmt hinten neben ihr Platz: Splitterschutzweste, Stahlhelm, Schnellfeuergewehr, Knie- und Ellenbogenschützer – das volle Touristenprogramm. Wohin fahren wir jetzt? Ich hätte es mir nicht ausdenken können, nur die Wirklichkeit ist so absurd: Wir fahren quer über die Dorfstraße 30 Meter bis zum Hotel, es liegt genau gegenüber der Polizeiwache. Der Ziegenlastwagen mit unseren Rädern folgt uns. Nach etwa 30 Sekunden Fahrt (20 Sekunden davon brauchten wir um einzuparken) dürfen wir aussteigen. Die Polizisten helfen uns das Gepäck vom Lastwagen abzuladen und durch die Röntgensicherheitsschleuse des Hotels zu schieben. Die Lobby des Hotels ist jetzt mit Stroh und Ziegenköttel bestreut. Der Schnellfeuergewehrmann hilft nicht, er sichert die Szene. Der Dolmetscher fragt mich zum Abschied ob ich Japanisch spreche. Ich begreife nicht. Er weist auf eine im Hintergrund stehende Gruppe schaulustiger japanischer Touristen hin. Sie winken lächelnd herüber.

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Wie geht es weiter?

Nach nur einer Woche auf der Straße in der Provinz Xinjiang können wir sicher sagen: Polizeikontrollen wie diese werden zu unseren täglichen Erfahrungen in China gehören. Xinjiang ist die größte Provinz Chinas und gilt zusammen mit der Autonomen Region Tibet zu den oft so genannten „Unruheprovinzen“. Die Bedingungen werden sich also auch in Osttibet für uns nicht verbessern. Wie gehen wir damit um? Ähnlich wie der Winter in Armenien, der Gegenwind im Iran und die Hitze in Usbekistan wird die Polizeiüberwachung als unabänderliche Naturgegebenheit zu unserer Reise in China gehören. Wir werden sie nicht ändern können und jetzt kommt es darauf an, welche Haltung wir dazu einnehmen. Bisher gelang es uns ganz gut, sie als eine Art besondere Touristenattraktion zu sehen. Wir beobachten interessiert, sind gespannt und bleiben ruhig. Uns beschäftigt dabei auch ein theoretisches Interesse an der politischen und wirtschaftlichen Lage in China. Wir müssen das ja nicht persönlich nehmen, es ist Ausdruck des Systems. Das bedeutet nicht, dass wir die Sache an sich nicht ernst nehmen. Uns ist immer bewusst, dass die Entscheidungen der Staatsmacht in China unsere Pläne jederzeit durchkreuzen können. Wir sprachen mit einem Radfahrer, dem die Weiterfahrt in Golmud in Richtung Osttibet verboten wurde. Andere durften unbehelligt weiterfahren. Es ist nicht einfach, mit dieser scheinbaren Willkür gelassen umzugehen. Wir hoffen allerdings und sind zuversichtlich, dass uns das im Hinblick auf das Große, das Ganze gut gelingt. Wie beim Winter, dem Gegenwind und der Hitze werden wir auch jetzt Wege finden. Noch scheint es ja möglich zu sein, als individuell reisender Radfahrer sich zu bewegen. Wir befürchten allerdings, und das macht uns schon etwas traurig, dass das nicht mehr lange in China möglich sein wird. Wir haben die sich ständig verschlechternden Reisebedingungen über die letzten Jahre genau beobachtet und wagen vorherzusagen, dass zumindest in den westlichen Provinzen bald nur noch Pauschalreisen in Gruppen möglich sein werden. Schade, denn die Menschen, auch die Polizisten, sind freundlich und das Land ist eine Reise wert.

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Am Ende ein See

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Am Pass vor dem Song-Kul See
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Nach über zehn Tagen harter Schotterpiste endlich der Song-Kul See auf 3000 Metern Höhe.

Am Ende ein See

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Er blickte auf mich herab, der etwa zwölfjährige Kirgise und ich versuchte mir so wenig vom Gesicht ablesen zu lassen wie möglich. Schon als er die letzten Meter im Galopp angeritten kam, bemühte ich mich, nicht vor dem großen Pferd zurückzuweichen und blieb auf der Stelle stehen, gewiss, dass er wie wir es schon kennen, sein Pferd nur wenig Zentimeter vor mir zum Stehen bringen würde. Ich lächelte innerlich über dieses Männlichkeitsspielchen, wusste aber, dass das erste Auftreten und der feste Händedruck wichtig sind für das, was kommt. Weiterlesen