UNSERE AKTUELLE POSITION

16. August 2017

Sary Bulak, Kirgistan, 60 Einwohner

Zentralkirgistan ist eine fast menschenleere Weite gemischt aus Himmelsbergen und grünem Auenland. Wir verließen den Pamir um fast ohne Übergang in das Gebirgssystem des Tien-Shan (wörtlich „Himmelsberge“) hineinzufahren. Allerdings ist diese Gegend nicht gemacht für das „Fahren“. Hier wird geritten. Und das hat seine guten Gründe. Denn durch Zentralkirgistan führt keine asphaltierte Straße. Hier gibt es improvisierte Staubpisten, die aus Fahrspuren entstehen. Es gibt im Grunde eine Schotterpiste, die offiziell die „Hauptstraße“ durch das Herz des Landes ist. Diese Rüttelpiste haben wir jetzt unter die Räder genommen und es hat sich nicht wie Fahren, sondern meist wie Reiten, öfter auch wie Schieben oder Kriechen angefühlt. Wir waren sehr langsam unterwegs und dennoch hatten wir das Gefühl, die Kilometer müssten dreifach gezählt werden. Denn zusätzlich zur groben und gröbsten Schotterpiste bremsten uns die vielen Steigungen und Pässe aus, die wir überwinden mussten. Der Verlauf der Piste wurde nicht an die Höhenlinien angepasst, sondern über das weite Gebirge hingeworfen und blieb da liegen, wo der Zufall es wollte. So dass von uns jeder Hügel und Bergriese überquert werden musste, der im Weg stand. Seit unserem Start haben wir über 115.000 Höhenmeter bewältigt.

Was wir allerdings ohne Probleme und in großer Schönheit vorfanden: Campingplätze wie aus dem Werbekatalog für Outdoorfans. Am Abend kam dann zu Pferde immer der nächstgelegene Yurtennachbar dahergeritten, wir erhoben uns von unserer Picknickdecke, reichten die Hand zum Gruß, stellten uns vor, erklärten den Benzinkocher, der immer großes Interesse auslöste, besprachen das Wohinwoher und lobten die Schönheit des Pferdes. Dann gemeinsames Schweigen – die Kirgisen scheinen auch nicht sehr gesprächig zu sein – und das stumme Handreichen zum Abschied. Dann reitet der Nomade gen Horizont und wir blicken ihm nach, gestützt auf die Ellenbogen, liegend auf der Picknickdecke, ein Heißgetränk in der freien Hand. So dehnt sich die Weite des Himmels über den Weiden in den Himmelsbergen noch mehr und wir sind zufrieden mit den spärlichen Ereignissen des Tages. Fans der Kirgisen sind wir allerdings bisher nicht so richtig geworden. Zu fern sind sie in ihrer Art von allem, was wir so aus unserem Kulturkreis kennen und für Gepflogenheiten halten. Allerdings sehen sie zu Pferd meist recht pitoresk aus, wenn sie am Horizont vorbeireiten.

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