UPDATE: Wir sind gut in Marokko angekommen.






Und von hier kamen wir her:

Am Montag, den 25.8. kamen wir gegen 14 Uhr in Sète an. Es war ein harter Tag mit 85 Kilometern. Nicht wegen der Kilometer strengte uns dieser Tag an. Sondern wegen der schlechten Wege und Radwege, Un- und Umwege. Dutzende Male verirrten wir uns im Gewirr der stark befahrenen Straßen, die wir in der hässlichen Touristengegend um La Grande Motte umgehen wollten. Immer wieder antreten, das schwere Rad in Schwung bringen und gleich wieder abbremsen, weil es vom Gehweg auf die Straße, von der Straße auf einen Feldweg und vom Trampelpfad wieder zurück auf die Nationalstraße ging. Schließlich schafften wir es die stark befahrenen Straßen zu vermeiden. Der Preis, den wir dafür zahlten, war eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 15 Stundenkilometern und „dicke“ Schenkel am Ende des Tages. Dass wir so früh an unserem Ziel ankamen, lag nur daran, dass wir schon um 7:20 Uhr morgens auf der Straße waren.

Deswegen waren wir erstmal etwas erschöpft im Kopf, als wir in das Venedig Südfrankreichs einfuhren. Jetzt nur schnell die Unterkunft finden und duschen. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir zum Höhepunkt des Stadtfestes in die Lagunenstadt einfahren würden. Einmal im Jahr findet hier ein fünftägiges Fest statt, bei dem die Einwohner die Nacht zum Tag machen. Zur Mittagszeit des vierten Tages findet das große Lanzenstechen auf Booten statt. Dann versuchen die kräftigsten und ehrenhaftesten Männer auf großen Ruderboten sich gegenseitig mit Lanzen vom Boot zu stechen. Sehr bunt, sehr martialisch und leider halt genau zu der Stunde, als wir müde in Sète ankamen. So mussten wir schiebend mit den vollbepackten Rädern unseren Weg durch zehntausende Menschen bahnen – denn wir hatten die Unterkunft natürlich genau im Zentrum gewählt, 50 Meter weg vom Hauptereignis. Alle anderen Touristen hätten sich darüber gefreut – wir taten es nicht.
„Das Venedig Südfrankreichs“ ist ein idyllisch klingender Name, der daher kommt, dass einige Kanäle mitten durch die Stadt führen. Unser erster Eindruck von Sète war dagegen ein stechender Geruch nach Pisse und Erbrochenem. Die Nebenwirkungen der großen Party.

Wir hatten dann den folgenden Tag, um uns neu zu orientieren, viel zu essen und den Kopf klar zu kriegen – nicht vom Alkohol, sondern vom Vergangenen für das Kommende. Und wir stellten fest, dass uns das gar nicht einfach gelingen wollte. Wir waren in einer etwas desolaten Stimmung. Hatten wir Lampenfieber vor dem Ungewissen, das vor uns lag? War es ein verschleppter Abschiedsschmerz, der jetzt einsetzte, wo die Grenze zwischen Heimat und Fremde ganz offensichtlich war: Vor uns endete jede Straße und das Meer begann, jenseits dessen wir auf einen neuen Kontinent treffen würden. Wir kannten Marokko ja schon. Warum hatte sich unsere Stimmung so eingetrübt? Es fühlte sich an wie Lampenfieber und genauer kann ich es noch gar nicht beschreiben.

Morgen, Mittwoch den 27. August, werden wir nachmittags das Schiff besteigen, das uns innerhalb von 48 Stunden nach Tanger bringen wird. Am Freitag, den 29 August sollen wir zur Mittagszeit in Marokko ankommen. Wir werden jetzt also zwei Tage haben, in denen wir kein Internet und keine Telefonverbindung haben. Wir werden uns wenig ablenken können und darum auch genügend Zeit haben, darüber nachzudenken, warum wir uns etwas seltsam fühlten hier bei der Ankunft in Sète nach den ersten 1300 Kilometern.
Gerade sind wir mit den Rädern auf die Fähre gefahren. Hier spricht man wieder Italienisch. Und die fröhliche Auskunft beim Einchecken: Auf dem ganzen Schiff ist das WiFi kaputt. Wir sind dann also jetzt mal offline.
