Afrikas Fesseln
Wir sind in Xangongo. Es ist die letzte Kleinstadt auf unserem Weg durch Angola. 100 Kilometer von hier im Süden liegt die Grenze zu Namibia. Heute morgen bin ich durch dieses kleine Nest, eigentlich nur ein Straßendorf, spaziert. Da bin ich wehmütig geworden. Einen Monat sind wir jetzt durch Angola gereist und haben die Freundlichkeit und die Understatement-Gastfreundschaft genießen dürfen. Sanftmütig und willkommenheißend ist uns dieses Land begegnet. Und das ist mir ein Rätsel.

Hier in Xangongo sind wir im Zentrum dieses Rätsels. Dieses Städtchen mit dem lustigen Namen hat eine sehr traurige Vergangenheit. Hier tobte der Bürgerkrieg, für den Angola weltweit bekannt geworden ist, besonders schlimm. Hier ist die wichtige Brücke über den Cunene-Fluss, über die wir gestern gefahren sind. Eine im Krieg strategisch wichtige Verbindung. 120.000 Landminen liegen allein in dieser Gegend – teilweise heute noch. Vor der Ortschaft fahren wir an verrosteten Panzerwracks vorbei. Überall im Land sieht man die Zeichen dieses Krieges noch. In keinem Land dieser Welt gibt es so viele Beinamputierte im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. 2002 endete der Krieg, seither wurden über 85.000 Menschen Opfer von Landminen. Das war nach dem Krieg. Es ist mir ein Rätsel, warum dieses Land so friedlich freundlich ist zu uns.

Insgesamt erlebte Angola 41 Jahre lang ununterbrochen Krieg. Dabei hat es letztes Jahr erst seinen 50. Geburtstag gefeiert. Ab 1961 kämpften verschiedene Gruppen für die Unabhängigkeit. Angola war noch eine portugiesische Kolonie. Erst 1975, als in Portugal die rechte Diktatur zusammenbrach, wurde Angola unabhäng. Wenn wir auf Wandgemälden und Plakaten das 50jährige Jubiläumsemblem hier sehen, dann ist die Geburtsstunde des Nationalstaats mit den Bildern von Panzern und Soldaten verbunden. Denn statt seine Kolonie geordnet in eine friedliche Selbstständigkeit zu überführen, musste die Kolonialmacht selbst erst kollabieren, um Angola ins Chaos zu entlassen. Ein schwerer Start für ein junges Gemeinwesen mit künstlichen Landesgrenzen. Absurderweise sind diese Grenzen in Berlin festgelegt worden und nicht in Luanda.

Dementsprechend ging der Unabhängigkeitskrieg nach 14 Jahren 1975 unmittelbar in einen Bürgerkrieg über. Es war noch kalter Krieg und Angola wurde als Schauplatz eines Stellvertreterkrieges missbraucht. Die eine Konfliktpartei wurde von der Sowjetunion unterstützt, die andere von den USA mit Waffen beliefert. Gleichzeitig griff noch das Apartheidsregime Südafrikas ein und bekämpfte die kommunistische Gruppierung, weil sie ihren Vasallenstaat Namibia nicht an das sowjetische Lager verlieren wollte. Darüber hinaus operierte der namibische Widerstand gegen die Südafrikaner von Cahama und Xangongo aus, in denen wir gestern und heute übernachtet haben. In den 80er-Jahren wurde Xangongo von der südafrikanischen Luftwaffe bombardiert.

Ein fürchterliches Durcheinander. Da machte es den Konflikt kaum komplizierter, dass Kuba Truppen und Panzer schickte, um seine sozialistischen Brüder und Schwestern in Angola in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen. Insgesamt über 400.000 kubanische Soldaten kämpften in Angola. Manche ihrer Nachkommen fallen uns heute hier auf. Ebenso fallen uns die vielen Beinamputierten auf. Es ist uns ein Rätsel, wie diese Geschichte die Freundlichkeit gebären konnte, die uns täglich am Straßenrand begleitet.

So viele Jahre Krieg, so viel Zerstörung, so viel Fremdbestimmung. Das muss doch eine Gesellschaft zerstören. Das muss die Menschen doch bitter und verschlossen machen. So sind sie uns aber nicht begegnet, die Menschen hier in Angola. Danke Angola!
Was uns aber schon aufgefallen ist: Trotz seines Ölreichtums und seiner Bodenschätze ist das Land in einem schlechten Zustand. Schulen existieren oft nur als Gebäude, die Menschen sind arm, die Gesundheitseinrichtungen machen einen erbärmlichen Eindruck und asphaltiert ist jeweils nur eine Fernverbindungsstraße. Hier in Angola sieht man beispielhaft für Subsahel-Afrika: Mit solchen Startbedingungen hat man gleich von Anfang an wenig Chancen. Da müssen gar nicht andere Hindernisse für die Entwicklung hinzukommen, damit ein Land unterentwickelt bleibt.

Warum ist Afrika immer noch ökonomisch so arm? 41 Jahre Krieg sind da mal ein guter Anfang, um gründlich zugrundegerichtet zu werden. Das klingt zynisch? Nun ja, es ist schwierig es nicht zu sein, wenn man ein bisschen Kolonialgeschichte liest. Ein Beispiel gefällig? Der „Angola-Vertrag“ ist ein gutes Beispiel für eine zynische Haltung gegenüber Afrika. Um was geht es im Angola-Vertrag? Portugal hatte seit Jahrhunderten von seinen Küstenstützpunkten aus (zum Beispiel Luanda) das Hinterland Angolas ausgebeutet und deswegen einen historischen Anspruch auf das Gebiet, so das Denken des kolonialistischen 19. Jahrhunderts. Portugal war aber jetzt fast bankrott und Deutschland und Großbritannien wollten nicht auf Portugals Schulden sitzen bleiben. Da vereinbarten sie 1898, dass sie im Falle des Staatsbankrotts von Portugal Angola bekämen und unter sich aufteilen könnten.
Ich zahle meine Schulden mit dem Garten meines Nachbarn. Nur dass der Garten in diesem Fall ein ganzes Land mit vielen Völkern ist. 100 Jahre später bombardierten und massakrierten vier verschiedene Fremdmächte immer noch in Angola. Kein Wunder, dass hier vieles nicht funktioniert. Im Vergleich: Wir in Deutschland suchen immer noch eine Angleichung der Lebensbedingungen zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Bald 37 Jahre nach dem Ende der Teilung. Das Ende des Angolakriegs ist dagegen erst 24 Jahre her.

Afrikas Kraft
Wie funktionieren Pläne? Wir haben Erwartungen, die wir aufgrund von Beobachtungen und Hoffnungen erstellen. Das tun Menschen überall auf der Welt immer. Um diese Gedankenkonstrukte aufrecht zu erhalten, versuchen wir uns Erklärungen der Wirklichkeit anhand unserer Erfahrungen zu basteln. Besonders wenn man wie wir ein Ziel hat oder voran kommen will, glaubt man auf dieses mitunter komplizierte Konstrukt von Beobachtung, Erklärung, Erwartung vertrauen zu müssen. Wir sind aufgewachsen in einer Welt, in der man glaubt, dass dies die Wirklichkeit sei. Ähnlich wie Schauspieler, die so lange ihr Stück spielen, bis sie glauben, dies sei das wirkliche Leben. Dass das Leben nie ganz sicher sein kann, können wir in Europa verdrängen. In Afrika geht das nicht.

Afrika dekonstruiert diese Vorstellung. Afrika ist unser Lehrmeister und wir sind die Schüler. Wer hier etwas lernen möchte, muss sich dekonstruieren lassen. Erwartungen fallen im nächsten Moment in sich zusammen, Erklärungen sind sinnlos, mitgebrachte Alltagslogik funktioniert hier plötzlich nicht mehr. Wer stur ist, wird daran scheitern. Auch wir scheitern immer wieder. Und dann wieder bekommen wir die Chance uns belehren zu lassen. So haben wir es bis hierher geschafft. Denn Afrika entkleidet uns nicht nur unserer Pläne und Erwartungen, sondern kleidet uns immer wieder an durch neue Wege und von uns nicht erwartete Möglichkeiten. Das scheint uns die überwältigende Kraft von Afrika zu sein. Eine Kraft, die wir so bisher nirgends sonst erfahren haben.

Wir sind dankbar, dass wir hier sein dürfen und lernen. Immerhin heißt unser Motto ja auch „Flexibel bleiben im Alter“. Nirgendwo, so scheint uns, kann man so viel lernen wie in Afrika. So lange wir die Chance haben hier zu sein, müssen wir diese große Lebendigkeit und diese Überraschungen aufsaugen, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Denn wir sind sicher, dass diese intensive Menschlichkeit und Kraft außerhalb von Afrika so geballt nicht existiert. Wir hoffen, dass wir offen genug sind, um etwas davon in uns zu bewahren.
Wir hatten einen Plan. Wenn wir heute 114 Kilometer fahren würden, dann gäbe es in Cahama eine Unterkunft und wir müssten nicht wieder im Busch oder bei der Polizei schlafen. Beides ist auf seine Weise anstrengend. Wir fuhren 114 Kilometer, aber als wir ankamen, war das Haus, in dem wir schlafen wollten, zerfallen. Wir waren erschöpft und etwas niedergeschlagen.

Naja, eigentlich eine typische Standardsituation, wie die treuen Leserinnen unserer Berichte sicher wissen. Wir parkten unsere Räder erstmal im Schatten eines kleinen Ladens und beschlossen Wasser zu kaufen – immer zuerst ans Wasser denken. Gerade war unsere Erwartung in sich zusammengefallen. Aber irgendwie war ich schon nicht mehr wehmütig über diesen Verlust. Vielleicht hatte Afrika uns ja schon ein wenig daran gewöhnt, dass es viele Möglichkeiten gibt. Ich kann nicht genau sagen warum, aber das schärft die Aufmerksamkeit für das, was man nicht erwartet.

So ging ich in das Halbdämmerlicht des kleinen Ladens. Hinter der Theke kauerte ein Mann über seinem Handy. Er sah arabisch aus und ich sagte aus Sentimentalität über die erfahrene Freundlichkeit in den arabischen Ländern: „Salaam Aleikum“. Sofort entgegnete er „Wa aleikum a’salaam.“ Erfreut über meinen Treffer sagte ich auf Französisch: „Mauretanien ist schön.“ Jetzt war er völlig aus dem Häuschen. Er sprang auf und ergriff meine Hände – so wie wir das in Marokko und Mauretanien oft erlebt hatten. Er fragte mich, ob ich Mauretanien kenne. Ich zählte ihm die Klein- und Kleinstortschaften auf, die Beduinensiedlungen und die Drecksnester, durch die wir in Mauretanien kamen. Bei jedem Namen klatschte er in die Hände. Er war Mauretanier.
Ich muss zugeben, dass meine Idee mit Mauretanien keine übernatürliche Eingebung war. In der Ortschaft vor 60 Kilometern war der Shop-Besitzer auch Mauretanier. Es war ein Versuch. Und wie ich lernen sollte, waren alle Ladenbesitzer, denen wir in den nächsten Tagen begegnen sollten, Mauretanier.

Ich suchte das Wasser und ein paar Konserven aus – wo auch immer wir übernachten konnten, essen mussten wir ja etwas. Als ich zurück zur Theke kam, hatte der Mauretanier allen umstehenden Angolanern unsere Unterhaltung nacherzählt. Auch wieder so eine Standardsituation. Ich zahlte und sagte eigentlich ohne große Erwartung: „Wir sind müde. Kann man hier übernachten?“ Ich wusste ja, dass keine App und kein Google und kein Radfahrerblog hier eine Übernachtung gefunden haben. Der Mauretanier sagte: „Es gibt hier ein Zimmer.“ Ich fragte: „Mit Wasser?“ Er: „Mit Wasser.“ Als wäre es das Selbstverständlichste, dass Zimmer Wasser haben. Nachdem er kurz telefonierte, sagte er: „Jemand holt Euch ab.“
Draußen konnte ich Imke gar nicht die ganze Geschichte erzählen, da kam ein völlig dreckiger Hirtenjunge auf einem alten Geländemotorrad. Dem fuhren wir auf einer Sandpiste hinaus aus dem Dorf hinterher und erwarteten – das Schlimmste oder nichts. Er führte uns nach 20 Minuten Fahrt zu einer recht neuen, tadellosen Unterkunft. Das Zimmer hatte Wasser.

Afrikas Wasser
Quihita hieß unser Etappenziel am Tag, bevor wir nach Cahama fuhren. Dort wussten wir sicher, dass es keine offizielle Übernachtungsmöglichkeit gibt. Darum setzten wir unsere Hoffnung auf Schule, Polizei oder katholische Missionsstation. Eigentlich eine Geschichte, die ich hier schon öfter in Varianten erzählt habe. Diese Geschichte erzähle ich aber, weil sie Afrikas Wasserproblem beleuchtet.

Als wir nach Quihita einfuhren, sahen wir sofort: hier die kleine Polizeistation, daneben ein größeres Verwaltungsgebäude, etwa so groß wie ein schwäbisches Einfamilienhaus und dahinter die Schule. Alle frisch gestrichen, von außen in erstaunlich ordentlichem Zustand. Das restliche Dorf bestand aus einer Handvoll heruntergekommener Häuser. Was mir gleich auffiel, es gab mehrere blaue Plastiktanks auf Stahlkonstruktionen, Wassertürme. Also musste es fließendes Wasser geben – dachte ich. Wir hielten am Straßenrand im Schatten eines Baumes und schauten uns die Gebäude an, um unser Vorgehen abzusprechen. Im Schatten im Straßengraben lag ein junger Mann in Boxershorts und Unterhemd und nuckelte an einer Flasche Cuca-Bier. Wir grüßten. Da die anderen Gebäude verlassen schienen und bei der Polizeistation die Tür offen stand, fuhren wir dorthin. Wir klopften an den Türrahmen und riefen hinein, als wir Schritte hinter uns hörten. Der Biertyp im Unterhemd kam uns hinterhergelaufen. Er drückte sich an uns vorbei durch die Tür und bat uns mit einer Geste zu warten, lief in ein kleines Zimmer und rief uns zu sich. Jetzt saß er hinter dem Schreibtisch, sprang auf als wir den Raum betraten und reichte uns die Hand über den Schreibtisch hinweg. Er hatte seine Rolle als Dorfpolizist eingenommen. Da spielte es keine Rolle, dass er immer noch in Unterwäsche war. Stehend empfing er unsere Anfrage. Klar könnten wir hier übernachten. Er ging mit uns in den Raum gegenüber, eine Abstellkammer. Hier vielleicht? Oder im Vorraum, da könnten wir unser Zelt aufstellen. Hier seien wir sicher, bei der Polizei. Er zeigte uns stolz die Toilettenschüssel und das Waschbecken im Bad. Nein, Wasser gibt es hier nicht. Dann hatte er noch eine Idee. Er führte uns ins Nachbargebäude. Ein düsterer Schuppen. Hier schlafe er. Das Nebenzimmer, ein leerer Raum, sei frei, hier könnten wir die Räder unterbringen und unser Zelt aufstellen. Klasse.


Wir fragten, ob es einen Ort gäbe, an dem wir uns waschen könnten und ob es Wasser gäbe. Mit dieser Frage schien er nicht gerechnet zu haben. Als hätten wir nach Ostereiern gefragt. Hinter der Polizeistation gab es zwei gemauerte Toilettenhäuschen. Beide verschlossen und ganz offensichtlich nicht in Benutzung. In der Schule und am Wassertank dahinter gab es auch kein Wasser. In allergrößter Geduld führte er uns zu allen möglichen Punkten im Dorf, wo es Wasser hätte geben können. Es gab keines. Dann fragte er noch eine Bekannte die vorbeilief, ob es irgendwo Wasser gäbe. Eine knappe Stunde waren wir nun schon auf der Suche und ich fragte mich schon länger, wie es sein konnte, dass er erst durch uns auf die Frage kommen konnte, wo es hier Wasser gäbe. Noch im Polizeigebäude entschuldigte er sich dafür, dass er uns in Unterwäsche empfängt. Er habe gerade seine Uniform gewaschen. Mir dämmerte eine grauenhafte Einsicht.


Es war gerade Regenzeit. Überall mussten wir große braunwässrige Pfützen umgehen. Teilweise waren die Gräben neben der Straße überschwemmt mit brauner Brühe. Natürlich sahen wir schon öfter, dass sich dort die Menschen waschen. Alle drei Wassertanks waren leer, obwohl es Regenzeit war? Meine Logik griff zu kurz. Die Wassertanks waren leer WEIL es Regenzeit war. Das waren natürlich auch keine Regentonnen, sondern Wassertürme, die vom Tankwagen oder aus dem Brunnen befüllt werden mussten. Jetzt während der Regenzeit musste man sich ja nicht um Wasser kümmern, weil es ja überall Pfützen gab. Unser Polizist hatte keine Ahnung wo es hier Wasser gab, weil er sein Wasser aus den Pfützen nahm. Das zum Waschen und auch das zum Trinken? Weil die Touristen aber Wasser wollten, ging er geduldig mit uns auf Wasserjagd. Es war eine Ausdauerjagd.

Eineinhalb Stunden waren wir jetzt schon unterwegs kreuz und quer durch dieses kleine Dorf. Voran lief der Polizist – mittlerweile ordentlich in seiner Uniform -, hinterher die zwei weißen Touristen mit ihrem leeren Ortlieb Wassersack. Natürlich war Joaquin auch stolz, uns überall herzeigen zu können und zu erzählen, dass wir aus Deutschland kommen. Aber gleichzeitig war er auch ernsthaft bemüht, unseren Wunsch zu erfüllen und zunehmend in Sorge, dass es in seinem Dorf kein Touristenwasser geben könnte. Nur zur Klärung: Wir erwarteten kein Trinkwasser. Oft wuschen wir uns schon mit leidlich brauner Brühe.

Der Wassertrip hier war zu einer Lektion über Afrikas Wasserproblem geworden. Schließlich erhielten wir den Tip von einer Frau mit Kleinkind auf dem Rücken, dass es bei der Krankenstation noch Wasser gäbe. Die Krankenstation auf der anderen Seite des Dorfs hatten wir noch nicht entdeckt. Dahinter gab es einen Wassertank mit Wasserhahn, der von einem kleinen Sumpf umgeben war. Trittgroße Steine waren in eine Reihe gelegt, dass man mit einigermaßen Geschick trockenen Fußes zum Wasserhahn gelangen konnte. Aus diesem sprudelte ständig ein steter Strom klaren Wassers. Auf dem Hahn balancierte seltsamerweise ein großer Stein. Der Polizist tippelte anmutig über die Steinreihe und hob den Stein an. Jetzt schoss ein satter Wasserstrahl aus dem Hahn und ich füllte unseren Sack. Danach brauchte der Polizist sicher zwei Minuten, bis er den kleinen Fels so auf dem Hahn platzierte, dass nur noch ein mittelgroßer Strahl daraus stetig entwich und den Tümpel speiste, der die Moskitos speiste, die sich an den die Krankenstation besuchenden Menschen speisten. Die Haupttodesursachen in Afrika sind Erkrankungen durch schlechtes Wasser und durch Moskitos übertragene Viruserkrankungen.

Danke Angola
Auch wir merken, je weiter wir nach Südangola kommen, dass wir hier Menschen anderer Völkergruppen begegnen. Teilweise laufen hier Frauen am Straßenrand barfuß. Sie haben den Oberkörper unbekleidet und tragen mehrere silberne Halsringe übereinander als Schmuck. Ihre Haare sind verfilzt und mit getrocknetem Lehm zu einzelnen „Zöpfen“ geformt. Wir erreichen den Siedlungsbereich der Khoisan. So werden die Bevölkerungsgruppen des südlichen und südwestlichen Afrika bezeichnet. Es ist eine Sammelbezeichnung. Die Khoisan ist genetischen Untersuchungen zufolge die älteste heute existierende Menschengruppe. Darunter auch die Nam, die vor allem in Namibia und auch im südlichen Angola leben. Wir haben hier kaum Vorwissen und müssen uns mit Wikipedia behelfen, um unser Beobachten uns selbst zu erklären.

Aus dem Dickicht neben der Staße tritt eine alte Frau. Sie trägt eine Art Rindenschiffchen voll mit glühender Kohle und einer winzigen Flamme. So geht sie neben uns her. Sie trägt das Feuer weiter. Später am Tag sehen wir einen Mann mit Lederhut, der sein Wasser in einer Kalebasse mit einem Lederriemen an der Schulter hängen hat. Wir sind hier nur noch teilweise in einer Welt, in der es Feuerzeuge und Plastikflaschen gibt.
Morgen fahren wir von Xangongo weiter zur Grenze nach Namibia, ins Land der Nam. Wir sind wehmütig, weil wir Angola verlassen werden. Angola war gut zu uns. Auch die angolanischen Trucker waren sehr freundlich und rücksichtsvoll. Sie wechselten immer die Spur und ließen uns viel Platz auf der Straße. Danke Angola!

